Maschmeyers Erbprinz

kopf des TagesManfred Behrens führt den Finanzvertrieb AWD künftig alleine,Co-Chef Carsten Maschmeyer wechselt zum Mehrheitseigner Swiss Life. Der Job istanspruchsvoll – Behrens hält mit Selbstbewusstsein dagegen

Manfred Behrens kann seine Herkunft schwer verbergen. Der Mann ist Norddeutscher – das fiel den Schweizern als Erstes auf, als der Lebensversicherer Swiss Life den Manager 2004 für den Posten des Deutschlandchefs engagierte. Behrens kommt aus Stade, ist 54 Jahre alt und „liebt eine deutliche Aussprache“, wie ein Kollege sagt. „Auch an ausreichendem Selbstbewusstsein hat es ihm sicherlich nie gemangelt.“

Das könnte nützlich sein. Ab Mai steht Behrens alleine an der Spitze des Finanzvertriebs AWD. Der bisherige Co-Konzernchef und Gründer Carsten Maschmeyer gibt sein Vorstandsamt auf und zieht in den Verwaltungsrat von Swiss Life ein. Dem Unternehmen gehört AWD seit Anfang 2008. Maschmeyer hatte seine Anteile zuvor sukzessive an die Schweizer verkauft.

Seit einem Dreivierteljahr ist Behrens zweiter Konzernchef neben Maschmeyer. Sein Wechsel nach Hannover erfreute vor allem die fußballbegeisterten Mitarbeiter von AWD. Schon als Swiss-Life-Manager hatte der überzeugte HSV-Fan Gästeplätze im Hamburger Stadion gemietet. Einige davon behielt er auch in seinem neuen Job bei AWD.

Aber solche Nettigkeiten zählen im harten Alltag kaum – ebenso wenig wie Behrens silberne Krawattennadel mit Bärengesichtern. Die Aufgabe ist hart: AWD hat wie alle Finanzvertriebe mit der Krise zu kämpfen. Dazu kommen hausgemachte Probleme, vor allem das verlustbringende Engagement in Großbritannien. Zudem hat der Aktionär Swiss Life hohe Erwartungen. Immerhin hat er 1,2 Mrd. Franken für AWD ausgegeben. Und schließlich wird auch Maschmeyer weiter mitmischen – in seiner neuen Rolle als größter Aktionär von Swiss Life und dessen Verwaltungsratsmitglied.

Im Verhältnis mit den AWD-Vertretern hat Behrens den Vorteil, dass er ein ausgewiesener Vertriebsexperte ist. Nach dem Jurastudium arbeitete er zunächst als Rechtsanwalt. Als Sachbearbeiter stand er in Diensten der Hamburg-Mannheimer Rechtsschutzversicherung, wo er schließlich vom Innendienst in den Vertrieb wechselte. 1996 ging er als Leiter der Landesdirektion Nord zur Volksfürsorge. Dort wurde er 1998 in den Vorstand berufen, führte das Ressort Vertrieb.

Als sich Behrens‘ Hoffnungen auf die Nachfolge des damaligen Volksfürsorge-Chefs Joachim Lemppenau zerschlugen, wechselte er als Chief Executive zur Swiss Life in München, der deutschen Niederlassung des größten Schweizer Lebensversicherers.

Nun soll Behrens also das Erbe des Firmengründers bei AWD antreten. „Natürlich ist Behrens anders als Maschmeyer“, sagt ein Kenner des Unternehmens. „Maschmeyer hat viel mehr spontan entschieden, Behrens ist ganz klar ein Konzernmensch.“ Allerdings könne er zahlreiche Vertriebserfolge vorweisen. „Der Mann ist durch und durch Vertriebsmann mit starkem Versicherungsbackground.“ Und auch ein anderer ehemaliger Weggefährte bescheinigt dem Norddeutschen: „Er hat ein sehr empfindliches Bauchgefühl im Vertrieb.“Herbert Fromme

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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