Riester-Rente trotzt Wirtschaftsflaute

Bausparkassen erwarten Schub durch neue Förderung von Wohneigentum

Von Anja Krüger

und Anne-Christin Gröger

Die Riester-Rente verkauft sich trotz Wirtschaftskrise gut, aber der Absatz flacht ab. In den letzten drei Monaten des Jahres 2008 haben rund 700 000 Verbraucher einen Vertrag unterschrieben. Im Vergleichszeitraum 2007 waren es noch mehr als eine Million. Im gesamten Jahr 2008 haben 2,2 Millionen einen Vertrag geschlossen, nach 2,7 Millionen 2007. Neuen Schub erwarten Anbieter durch den sogenannten Wohn-Riester, der seit November 2008 auf dem Markt ist. Nach Schätzungen des Bundesarbeitsministeriums wurden bis Ende 2008 rund 40 000 Wohn-Riester-Verträge verkauft.

Um die Kürzung der künftigen gesetzlichen Renten auszugleichen, fördert der Staat seit 2002 den Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge. Zunächst waren die Verträge Ladenhüter. Jetzt sind sie Bestseller – Ende 2008 hatten rund 12,2 Millionen Verbraucher einen Vertrag. Marktführer ist die zum Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken gehörende Gesellschaft Union Investment, die insgesamt 1,7 Millionen Verträge abgesetzt hat. Bislang habe sich die Krise nicht auf den Absatz ausgewirkt, sagt Sprecher Markus Temme. „Im Januar und Februar ist der Absatz konstant geblieben.“ Neben Investmentgesellschaften sind vor allem Versicherer stark im Riester-Geschäft. Zu den Marktführern gehören hier der Generali-Konzern (Aachen-Münchener Versicherung und andere) und die Allianz Leben.

Die Riester-Rente ist für Arbeitnehmer gedacht. Erwachsene erhalten jährlich eine Zulage von 154 Euro. Für Kinder gibt es 185 Euro, für nach 2008 Geborene 300 Euro. Außerdem können Anleger die Beitragszahlungen beim Finanzamt bis zu einer Höhe von 2100 Euro geltend machen. Die Verträge gibt es als klassische oder fondsgebundene Rentenversicherung, als Banksparplan und als Investmentfondsvertrag. Seit November sind darüber hinaus die Wohn-Riester-Verträge auf dem Markt, das Ergebnis harter Lobbyarbeit der Immobilienwirtschaft. Bei diesen Verträgen können Kunden das angesparte Geld samt Zuschuss vom Staat für den Erwerb oder den Bau einer selbst genutzten Wohnimmobilie verwenden. Der Staat will damit mietfreies Wohnen im Alter als Baustein zur privaten Altersabsicherung ebenso fördern wie den Aufbau von Vermögen für den Ruhestand.

Bausparkassen sehen sich auf diesem Markt im Vorteil. „Sie haben bereits viel Erfahrung mit Verträgen, die Wohn-Riester ähnlich sind“, sagt Alexander Nothaft, Sprecher des Verbands der Privaten Bausparkassen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Unternehmen. „Wir haben im vergangenen Jahr 2400 neue Wohn-Riester-Verträge abgeschlossen und erwarten für 2009 50 000 neue Wohn-Riester-Abschlüsse“, sagt Matthias Metz, Vorstandsvorsitzender von Schwäbisch Hall. Die Bausparkkassen LBS West und Wüstenrot wollen jeweils 25 000 Verträge verkaufen. Die meisten Banken bieten Wohn-Riester noch nicht an.

Versicherer verkaufen die Verträge in der Regel nur dann, wenn sie wie die Württembergische eine Bausparkasse im Konzern haben. Auch Branchenprimus Allianz Leben will sich das Geschäft nicht entgehen lassen. „Die Nachfrage nach Beratung ist groß“, sagt Sprecherin Martina Kieß. Die Allianz vertreibt neben Bausparverträgen auch die andere Riester-Variante – Darlehen an Kunden, die direkt bauen wollen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit