Versicherer hoffen auf Verbriefungen

Katastrophenbonds nach Delle im Aufwind · Interview mitMünchener-Rück-Vorstand Thomas Blunck

 

Von Herbert Fromme, München

 

Die Finanzkrise hat Verbriefungen von Bankkrediten und Hypotheken einen äußerst schlechten Ruf beschert. Im Gegensatz dazu werden sich Verbriefungen von Versicherungsrisiken nach der Delle im zweiten Halbjahr 2008 wieder erholen und ein wichtiges Instrument des Risikotransfers bleiben, erwartet Münchener-Rück-Vorstand Thomas Blunck. Auch wenn die Krise bei einer Katastrophenanleihe zum Ausfall einer Anleihe des US-Versicherers Allstate führen könnte, sei eine Erholung zu erwarten.

 

Ende März 2009 standen weltweit Katastrophenanleihen für 11 Mrd. $ (rund 8,4 Mrd. Euro) aus. Daran habe die Münchener Rück als Emittent einen Anteil von 1,,3 Mrd. $ für eigene und fremde Rechnung, sagte Blunck.

 

„Wir gehen davon aus, dass schon 2009 wieder mehr platziert wird als 2008“, sagte Blunck im FTD-Interview. Im Vorjahr habe der Markt für Insurance Linked Securities (ILS), wie die versicherungsbezogenen Wertpapiere genannt werden, unter der Zurückhaltung von Emittenten und Anlegern gelitten. Die Neuplatzierungen für Katastrophenanleihen beliefen sich 2008 auf nur 2,6 Mrd. $, davon entfielen 565 Mio. $ auf die Münchener Rück. „Aber jetzt haben wir 2009 schon wieder mindestens drei große Transaktionen gesehen“, sagte Blunck.

 

Bei Versicherungsverbriefungen decken sich Versicherer oder Rückversicherer gegen einen genau definierten Ernstfall ab – ein Sturm mit einer bestimmten Windstärke, ein zerstörerisches Erdbeben oder andere Großschäden.

 

Anleger übernehmen bei diesen Papieren das Risiko. Für die Katastrophenanleihe erhalten sie eine deutlich über dem Marktniveau liegende Verzinsung. Tritt der Ernstfall ein, verlieren sie einen Teil oder ihr gesamtes Investment. Das Geld erhält dann der Versicherer oder Rückversicherer, um seinen Schaden zu bezahlen.

 

Zur Abwicklung gründen die Emittenten Zweckgesellschaften, oft steuerlich günstig auf den Kaimaninseln. Bis zum Eintritt eines Schadens oder bis zum Auslaufen der Katastrophenanleihe verwahrt die Zweckgesellschaft das Geld auf einem Treuhänderkonto und legt es konservativ an.

 

Weltmarktführer ist Swiss Re, gefolgt von Goldman Sachs. Wichtige Anbieter sind auch der Makler Aon sowie die Rückversicherer Münchener Rück und Hannover Rück, die wie Swiss Re sowohl auf eigene Rechnung und als Dienstleister für andere Versicherer Verbriefungen arrangieren. Von den drei Transaktionen der Münchener Rück 2008 gingen zwei auf das eigene Konto, eines auf das eines Kunden aus Japan. Goldman Sachs und Aon arbeiten nur für Dritte.

 

Die Verbriefungen werden den traditionellen Risikotransfer vom Erstversicherer zum Rückversicherer nicht ersetzen, sagte Blunck. „Das ist nur eine Ergänzung, ein weiteres Werkzeug für uns“, sagte er. Verbriefungen könnten interessant sein, wenn die Münchener Rück ein selbst gesetztes Limit der Risikoübernahme erreiche, aber dennoch an einem Geschäft beteiligt bleiben wolle. „Wenn sich für uns Gelegenheiten ergeben, investieren wir auch selbst in Cat-Bonds“, sagte er.

 

Blunck räumt ein, dass die Krise die Wachstumsprognosen für diesen Markt über den Haufen geworfen hat. „Vor der Finanzkrise war unsere Annahme, dass der ILS-Markt von niedrigem Niveau aus stetig wachsen und 2015 im Bereich außerhalb der Lebensversicherung ein Volumen von etwa fünf Prozent der Rückversicherungsprämien erreichen wird“, sagte er. „Durch die Finanzkrise wird sich das zeitlich verschieben, aber der Wachstumstrend bei Verbriefungen als alternatives und ergänzendes Instrument für den Risikotransfer wird sich wieder einstellen.“

 

Bisher haben Anleger in zwei Fällen Geld mit Versicherungsverbriefungen verloren: Kamp Re sicherte 2005 Risiken der Zurich-Gruppe ab, Hurrikan „Katrina“ führte zum Verlust. Aktuell müssen Anleger einer Anleihe über 250 Mio. $, die Hurrikanrisiken des US-Versicherers Allstate abdeckt, den Ausfall befürchten. Grund ist aber nicht ein Sturmschaden, sondern die Pleite von Lehman Brothers. Die Zweckgesellschaft Willow Re auf den Kaimaninseln hatte das Geld bei der US-Bank angelegt.

 

„Bisher wurde oft vernachlässigt, dass in solchen Produkten auch Kreditrisiken enthalten sind“, sagte Münchener-Rück-Manager Rupert Flatscher. „Die Delle, die wir durchfahren, wird genutzt, um die Strukturen technisch noch sauberer zu machen. So wird es für Sponsoren und Investor ein attraktiver Risikotransfer.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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