Deutsche Rück drängt in neue Nische

Öffentlich-rechtlicher Konzern umwirbt mittelgroße und kleine Versicherer ·Interview mit Vorstandschef Arno Junke

Von Herbert Fromme, Düsseldorf

Die Deutsche Rückversicherung hofft auf Wachstum in einer Nische: „Den mittelgroßen und kleinen Versicherern fehlen Rückversicherer im mittleren Marktsegment“, sagte Vorstandschef Arno Junke im FTD-Interview. „Sie suchen Rückdeckung bei Gesellschaften, die nicht unbedingt zu den Weltmarktführern gehören und die ihren Sitz nicht auf Bermuda haben.“ Durch das Verschwinden der mittlerweile aufgelösten Gerling Globale Rück und der von großen Wettbewerbern übernommenen Frankona und Kölnische Rück sei eine Lücke entstanden. Versicherer wollten nicht alle Risiken bei den Weltmarktführern Münchener Rück oder Swiss Re platzieren.

Der Konzern Deutsche Rück habe mit insgesamt 1,32 Mrd. Euro Prämien als Alternative die richtige Größe, so Junke. Die Gesellschaft gehört den öffentlich-rechtlichen Versicherern, die ihrerseits Teil des Sparkassenlagers sind.

Die Deutsche Rück muss das Nischengeschäft forcieren, da durch die großen Fusionen im öffentlichen Lager in den vergangenen Jahren der Bedarf nach internem Risikoausgleich abgenommen hat. Die einzelnen Unternehmen können immer mehr Risiken selbst tragen.

Eine Hauptfunktion der Deutschen Rück war bislang der Risikoausgleich unter den öffentlichen Versicherern über einzelne Regionen hinweg. Denn Provinzial, Versicherungskammer, Versicherungsgruppe Hannover oder SV Versicherung arbeiten immer nur in einer Region. Jede Gesellschaft kauft in Düsseldorf Rückdeckung zum Beispiel für Sturmschäden ein, übernimmt dann aber selbst von der Deutschen Rück einen Anteil aller gruppenweiten Risiken. Kommt es wegen eines Sturmes zum Großschaden in einer Region, tragen alle ihn mit.

Ein klares Signal zum Ausbau des Drittgeschäfts war im September 2008 die Ernennung des 46-jährigen Junke, der als langjähriger Vorstand bei der Gen Re/Kölnische Rück und als Risikochef bei Ergo einen Ruf als guter Fachmann mit Biss hat. Allerdings muss Junke vorsichtig agieren. Im öffentlichen Lager erinnert sich mancher an die 80er-Jahre, als sich die Deutsche Rück mit einer überhasteten Expansion die Finger verbrannt hatte.

„Heute kommt ein Drittel der Prämien von Gesellschaften außerhalb des öffentlichen Lagers“, sagte Junke. „Das wollen wir weiter ausbauen.“ Dazu trägt besonders die Schweizer Tochter DR Swiss bei. Sie schrieb 2008 mehr als 360 Mio. Euro mit deutschen und ausländischen Kunden. Beim Ausbau der DR Swiss zielt Junke vor allem auf das Ausland. „Wir sehen uns als Rückversicherer für Kunden im gesamten Kontinentaleuropa.“ Die Stärkung des Drittgeschäfts will Junke ohne Rückversicherungsmakler schaffen. „Wir glauben an den direkten Kontakt zu unseren Kunden.“ Eine Voraussetzung sei die weitere Internationalisierung des Unternehmens und seiner 200 Mitarbeiter.

Zahlen für 2008 liegen erst im Juli vor, „wir können uns da etwas mehr Zeit lassen“. Die Finanzkrise habe die Deutsche Rück nicht ungeschoren gelassen, es gebe Abschreibungsbedarf. „Aber verglichen mit unseren Kapitalanlagen von 2,83 Mrd. Euro sind das kleine Beträge“, sagte Junke. Branchenkenner schätzen, dass die Abschreibungen 50 Mio.Euro bis 100 Mio. Euro ausmachen dürften. Mit dem Ergebnis werde die Gruppe trotz Finanzkrise zufrieden sein, sagte Junke. Für 2009 machte er keine Vorhersagen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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