Ombudsmann kritisiert Zuschläge für Tarifwechsler

Privatversicherte der Allianz erhalten Unterstützung

Von Anja Krüger

Kunden der Allianz Private Krankenversicherung, die sich gegen einen pauschalen Risikozuschlag beim Tarifwechsel innerhalb des Unternehmens wehren, bekommen Unterstützung aus der Branche. Der Ombudsmann für die private Krankenversicherung hat sich auf die Seite der Kunden gestellt. Auch die Konkurrenz kritisiert das Verhalten der Allianz.

Die Sache ist von grundsätzlicher Bedeutung. Seit Mitte der 90er-Jahre müssen Krankenversicherer Kunden den Wechsel in einen gleichartigen Tarif innerhalb des Unternehmens ermöglichen. Das ist wichtig, wenn der ursprünglich gewählte Tarif im Alter immer teurer wird. Mit dem pauschalen Risikozuschlag unterlaufe die Allianz dieses Recht, sagen Kritiker.

Das Unternehmen verlangt generell einen Risikozuschlag von 20 Prozent, wenn Versicherte in die neue Tarifgeneration Aktimed Plus wechseln. Die Allianz argumentiert, dass der neue Tarif systematisch anders kalkuliert sei als die Ursprungstarife. Die Finanzaufsicht BaFin hat dieses Vorgehen untersagt. Gegen die Entscheidung ist die Allianz vor Gericht gezogen.

Er habe eine formelle Empfehlung an die Allianz geschickt, sagte der Ombudsmann für die private Krankenversicherung, Helmut Müller, bei einer Tagung des Bundes der Versicherten. „Damit sind Versicherte vor Gericht gezogen“, sagte er. Eine Klage laufe bereits. „Mittlerweile haben wir 60 Empfehlungen dazu abgegeben“, berichtete er. „Ich hoffe, dass irgendwann möglichst das höchste Zivilgericht diese Frage entscheidet.“

Versicherte können sich an den Ombudsmann wenden, wenn sie sich von der Assekuranz schlecht behandelt fühlen. Für die Versicherungswirtschaft gibt es zwei Ombudsmänner, einen für die private Krankenversicherung sowie einen für die Lebens- und Schaden-/Unfallversicherung. Im Gegensatz zu seinem Kollegen wird der Ombudsmann für die private Krankenversicherung nicht von einem eigenen Verein getragen, sondern vom Branchenverband.

Die Konkurrenz kritisiert das Verhalten der Allianz scharf. „So kann man mit Bestandskunden nicht umgehen“, sagte Roland Weber, Vorstand des Marktführers Debeka. „Ich empfehle Kunden eine Klage.“ Die Deutsche Aktuarvereinigung, der Zusammenschluss der Versicherungsmathematiker, sei zu dem Ergebnis gekommen, dass auch aus aktuarieller Sicht das Vorgehen der Allianz nicht haltbar ist.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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