Swiss Re deckelt Kreditgeschäft

Rückversicherer reagiert auf verschlechtere Risikosituation

Von Herbert Fromme, Köln

Swiss Re reduziert die Kapazitäten in der Kreditrückversicherung deutlich. Nach FTD-Informationen aus Versicherungskreisen trifft das im Wesentlichen reine Kreditversicherer wie die französische Coface-Gruppe. Eine Sprecherin wollte nur bestätigen, dass die Kapazität im Segment Credit and Surety gekürzt werde.

Mit dem Schritt reagiert der Konzern, der 2008 einen Verlust von 864 Mio. Schweizer Franken (572 Mio. Euro) erlitt, auf die verschlechterte Risikosituation. Zudem benötigt die Kreditrückversicherung viel Eigenkapital. Swiss Re gebe den Kreditversicherern Atradius und Euler Hermes aber weiter Rückdeckung, hieß es in den Versicherungskreisen. An Atradius ist die Schweizer Gesellschaft selbst mit 25 Prozent beteiligt. Euler Hermes gilt wegen der Zugehörigkeit zur Allianz nicht als sogenannter Monoliner, also ein Versicherer mit einer einzigen Sparte. Coface betreibt dagegen nur die Kreditversicherung.

Auch Weltmarktführer Münchener Rück will die Rückdeckung der Sparte wegen der Konjunkturlage spürbar zurückfahren. Dabei gibt es aber keine Vorgaben zu einzelnen Gesellschaften.

In den vergangenen Monaten gerieten Kreditversicherer ähnlich wie Banken in die Kritik. Industrieverbände warfen ihnen vor, bestimmte Branchenrisiken nicht mehr zu versichern und dabei zu pauschal vorzugehen. Die Verknappung an Rückversicherungskapazität für dieses Geschäft trifft die Branche empfindlich, denn sie gibt einen hohen Anteil ihrer Risiken an Rückversicherer weiter.

Die Swiss-Re-Abteilung Credit and Surety in Zürich wird von 60 auf 20 Mitarbeiter verkleinert. Allerdings liegt das zum Teil daran, dass dort auch die problematische Absicherung von Kreditderivaten bearbeitet wurde, die Swiss Re nach hohen Verlusten ganz eingestellt hat.

Kreditversicherer decken Unternehmen dagegen ab, dass ihre Kunden pleitegehen und Rechnungen nicht zahlen können. Die größten Anbieter sind die deutsch-französische Euler Hermes, die in den Niederlanden beheimatete Atradius und die französische Coface. Alle drei erzielen einen großen Teil ihres Umsatzes in Deutschland. Der Weltmarkt wird für das Jahr 2008 auf 4,6 Mrd. Eurogeschätzt. Davon hat Euler Hermes einen Anteil von 36 Prozent, Atradius von 30 Prozent und Coface von 20 Prozent.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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