Die verschwundenen Dresdner-Konten

Die Allianz Bank nahm vor sechs Tagen den Geschäftsbetrieb auf. Tausende vonKunden sind stinksauer. Sie kommen nicht an ihr Geld

Herbert Fromme , Köln

Herr D. braucht dringend Bargeld. Eine Handwerkerrechnung ist zu bezahlen. Aber obwohl sein Girokonto ausreichend Deckung aufweist, steht D. völlig blank da.

Denn er gehört zu den Kunden der Dresdner Bank, die einst von Allianz-Vertretern geworben wurden und in der vergangenen Woche mit ihren Konten umgezogen sind. Rund 350 000 Kunden wanderten von der Dresdner zur neuen Allianz Bank. „Nichts klappt. Keine Kontokarte, kein Kontozugang, kein Geld“, schimpft D. Bei der alten Bank Dresdner gibt es auch nichts Bares – dort besteht das Konto nicht mehr. Bei der Allianz Bank aber ist es offensichtlich noch nicht angekommen. „Das Callcenter ist hoffnungslos überlastet. Selbst wenn man mal durchkommt, können die nicht helfen“, ärgert sich der Mann.

Die Allianz gesteht Probleme ein. „Aber nur bei zwei Prozent der Konten gibt es Schwierigkeiten“, sagt ein Allianz-Sprecher. In einigen Tagen sei bestimmt alles normal. Dennoch: Das betrifft immerhin rund 7000 verärgerte Kunden und stellt für ähnliche Umzüge in der Geldbranche eine vergleichsweise hohe Fehlerquote dar.

Beim Verkauf der Dresdner behielt die Allianz die Dresdner-Tochter Oldenburgische Landesbank, die bislang nur regional tätig war. Deren neue Niederlassung Allianz Bank in München muss jetzt mit dem Ansturm fertig werden und ist offensichtlich überfordert.

D. glaubt im Übrigen nicht, dass nur zwei Prozent der Konten betroffen sind. Er weiß von zahlreichen Fällen im Bekanntenkreis, in denen es große Umstellungsprobleme gab. D. sollte wissen, wovon er redet – der Mann ist Allianz-Mitarbeiter. Das ist neben der persönlichen Betroffenheit ein weiterer Grund, warum ihn die Pannen bei der Allianz Bank so aufregen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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