Hoher Schaden durch Air France

Absturz über dem Atlantik könnte Versicherer deutlich über 300 Mio. EuroEurokosten

Von Herbert Fromme, Köln

Die Versicherungswirtschaft muss mit einem Schaden von deutlich über 300 Mio. Euro aus dem Absturz des Air-France-Airbus über dem Südatlantik rechnen. Aber nach Angaben von Brancheninsidern ist es zu früh für genauere Schätzungen über die Höhe.

Der Schaden werde wohl unter den Kosten für den Absturz eines Airbus A300 der American Airlines im November 2001 über dem New Yorker Stadtteil Queens liegen, hieß es in Marktkreisen. Er kostete den internationalen Luftversicherungsmarkt seinerzeit rund 550 Mio. $.

Führender Versicherer bei Air France ist die Axa. Beteiligt an den Konsortien sind Allianz Global Corporate & Specialty, der US-Versicherer AIG und die Londoner Global Aerospace Underwriting Managers (GAUM), hinter der Warren Buffetts Berkshire Hathaway und Münchener Rück stehen.

Die Versicherer sind auf verschiedenen Wegen von dem Crash betroffen. Der Airbus A330-200 ist über eine Kaskopolice abgedeckt. Das Flugzeug dürfte einen Zeitwert von rund 60 Mio. Euro haben.

Viel teurer für die Assekuranz werden aber die Ansprüche von Angehörigen der 228 Todesopfer des Absturzes. Unter der 1999 vereinbarten Montrealer Konvention müssen die Fluggesellschaften in jedem Fall für einen tödlich verunglückten Passagier eine Zahlung leisten, die 100 000 Sonderziehungsrechten entspricht, einem gewichteten Korb mehrerer Währungen. Nach heutigen Wechselkursen entspricht das etwa 154 000 $.

In jedem Einzelfall haftet die Fluggesellschaft auch für darüber hinausgehende Schäden für die Angehörigen. Berechnungsgrundlage ist dabei einmal das zu erwartende Lebenseinkommen der verunglückten Person. Dazu kommen andere nachgewiesene materielle Schäden sowie in zahlreichen Ländern – auch in Frankreich – ein Schmerzensgeld. Alle Ansprüche werden von den Haftpflichtversicherern der Air France gedeckt.

In der Regel streben die Versicherer eine rasche Abwicklung an – je länger Verhandlungen mit Anwälten der betroffenen Familien dauern, desto teurer wird erfahrungsgemäß ein Schaden, unter anderem durch hohe Beratungskosten. Schätzungen, nach denen ein Personenschaden mit Todesfolge in den USA im Schnitt 2,7 Mio. $ kostet, in Europa aber weniger, wollten Schadenexperten nicht bestätigen.

Allerdings differieren die über die 100 000 Sonderziehungsrechte hinaus gezahlten Entschädigungen deutlich je nach Herkunfts- und Wohnort des Opfers.

„Wir sind bereit, die Gespräche zu beginnen“, sagte ein Axa-Sprecher. In der Regel wird zwischen spezialisierten Kanzleien der Versicherer und Anwälten der Familien verhandelt. Neben dem Nachweis der Familienzugehörigkeit verlangen die Gesellschaften Einkommensnachweise sowie Dokumente über finanzielle Verpflichtungen der Opfer.

Sollte sich herausstellen, dass Hersteller Airbus eine Mitverantwortung für den Crash trägt, könnten Angehörige auch gegen den Flugzeugbauer vorgehen. Außerdem würden die Versicherer der Air France Airbus und seine Versicherer in Regress nehmen.

www.ftd.de/axa

Teure Katastrophe

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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