Talanx verspricht Gewinn für 2009

Drittgrößte Versicherungsgruppe mit schwerem Ergebniseinbruch im vergangenenJahr

Von Herbert Fromme, Hannover

Nach einem schweren Ertragseinbruch 2008 erwartet der Hannoveraner Versicherungskonzern Talanx für 2009 wieder einen Gewinn von 400 bis 500 Mio. Euro nach Steuern. Im Vorjahr hatte der Konzern nur 187 Mio. Euro nach Minderheitsanteilen verdient, verglichen mit 477 Mio. Euro in 2007. Das reine Jahresergebnis – vor Beteiligung der Minderheitsanteilseigner – ging 2008 sogar um 88 Prozent auf 121 Mio. Euro zurück.

Talanx ist mit 19 Mrd. Euro Prämieneinnahmen 2008 der drittgrößte Assekuranzkonzern in Deutschland, nach Allianz und Münchener Rück. Zur Gruppe gehören der Rückversicherer Hannover Rück, HDI-Gerling, Aspecta und die auf den Bankvertrieb spezialisierten Versicherer CiV und PB.

2008 wurde das Unternehmen heftig von Abschreibungsbedarf und Verlusten auf Aktien und andere Wertpapiere gebeutelt. Die Erträge aus Kapitalanlagen gingen um 1,1 Mrd. Euro auf 1,6 Mrd. Euro zurück. Das sei jetzt überwunden, sagte Firmenchef Herbert Haas gestern in Hannover. „Die Finanzkrise dürfte keine Schatten mehr auf unsere Kapitalanlagen werfen.“

Eine negative Entwicklung sei nur dann möglich, wenn große Banken Probleme bekämen und nicht vom Staat aufgefangen werden müssten – oder wenn eine tiefe Depression den Wert von Firmenanleihen drücke. Das verbesserte Jahresergebnis könne auch trotz niedrigerer Zinsen erreicht werden.

Die optimistische Grundstimmung der Talanx-Führung für das laufende Jahr steht im Widerspruch zu den Erwartungen anderer Versicherer, die 2009 weiteren Ergebnisdruck erwarten – unter anderem wegen drohender Verluste in der Autoversicherung.

Talanx spürt den negativen Trend zwar auch. Aber Vorstand Christian Hinsch sagte, die Schaden- und Kostenquote in der Autoversicherung werde 2009 unter 100 Prozent bleiben, während der Markt mit 104 Prozent der Beitragseinnahmen rechnet – also vier Prozent mehr für Schäden, Vertrieb und Verwaltung ausgibt, als er an Prämien einnimmt.

Für alle Sparten der Schaden- und Unfallversicherung konnte Talanx 2008 sogar eine Verbesserung der Schaden- und Kostenquote von 99,3 Prozent auf 95,2 Prozent der Beiträge erzielen. Diese Verbesserung macht es den Talanx-Gesellschaften in der Industrieversicherung nicht leichter, die eigentlich geforderten Preiserhöhungen bei Großkunden durchzusetzen, räumte Hinsch ein.

In der Kooperation mit dem Versicherer Swiss Life, an dem die Hannoveraner 9,3 Prozent halten, wollen beide Gruppen im Herbst konkrete Kooperationsprojekte vorstellen. „Es braucht nicht jeder Versicherer eine eigene Abrechnungsstelle für die Riester-Zulagen“, sagte Haas. Die Versicherer könnten von den Banken lernen, die in der Zusammenlegung von Verwaltungsfunktionen viel weiter seien.

Quelle: Financial Times Deutschland


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