Allianz läutet die Wende ein

kolumne

Herbert Fromme

Markus Rehle, Chef des Internetanbieters Allianz 24, hatte es eilig. Am 21. Juli um 17 Uhr verschickte er eine Mail an alle Kunden mit der Überschrift „Neues von Allianz 24!“- mit Ausrufezeichen und in Schriftgröße 18 Punkt. Das Schreiben kam keine zwölf Stunden nach dem Bericht der FTD, dass der Konzern das Onlineangebot Allianz 24 im September einstellt. Für einen Großtanker wie die Allianz ist eine so schnelle Reaktion fast rekordverdächtig. „Diese Information ist missverständlich: Allianz 24 wird unter neuem Namen zu einer europäischen Marke“, schreibt Rehle und setzt noch einen drauf. „Richtig ist: Unsere Qualität und die rasche Abwicklung – also alles, was Sie an uns schätzen – bleibt natürlich erhalten.“ Von den bisher so niedrigen Preisen, von den Kunden am meisten geschätzt, spricht Rehle in seiner Mail nicht.

In Wirklichkeit hat die Allianz die Notbremse gezogen. Allianz 24 macht mit Niedrigpreisen hohe Verluste. Aber trotzdem zieht das Angebot nicht, der Konzern hat nur 300 000 Onlinekunden bei insgesamt 8,75 Millionen versicherten Fahrzeugen. Rivale HUK-Coburg kommt auf eine Million Internetversicherte.

Der Allianz-Konzern verliert seit Jahren Marktanteile in der Autoversicherung. Jetzt hat er eingesehen, dass er den Trend mit Onlineangeboten kaum aufhalten wird, sondern dabei nur seine Vertreter nachhaltig vergrätzt.

Für alle Autoversicherer ist der Allianz-Rückzug eine gute Nachricht. Er könnte tatsächlich eine Gesamtwende in der Preispolitik einläuten, denn gleichzeitig hat die Allianz damit den 2004 von ihr selbst eingeläuteten Preiskampf aufgegeben.

Und die Allianz? Nimmt sie den Verlust an Marktanteil einfach so hin? Nie und nimmer. Aber der reiche Konzern wird das so lösen wie immer: Er wird Versicherer oder Bestände zukaufen und so wieder auf einen Marktanteil von knapp unter 20 Prozent kommen. Ausreichend Kaufgelegenheiten dürfte es in der Krise bald geben.

Herbert Fromme ist Versicherungskorrespondent der FTD.

E-Mail: fromme.herbert@guj.de

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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