Hiscox wächst mit kreativen Policen

Konzern versichert neben Sturmrisiken auch Kunst und Lösegeld · Firmenchef Robert Hiscox im Interview

Von Herbert Fromme, Köln

Robert Hiscox hat eine neue Nische entdeckt. Manager deutscher IT- und Medienunternehmen sind chronisch unterversichert, wenn es um ihre persönliche Haftung geht, glaubt der 66-jährige Chef des auf den Bermudas beheimateten Versicherungskonzerns Hiscox. Jetzt startet er in Deutschland eine Marketingoffensive für die Vermögensschaden-Haftpflichtdeckung in diesen Branchen. „Hier in Deutschland gibt es mehr als 3500 IT-Unternehmen“, sagte Hiscox im FTD-Interview. „Der Markt ist da. Jetzt geht es darum, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass eine solche Haftpflichtdeckung nötig ist.“

Hiscox ist eigentlich spezialisiert auf Katastrophen, vor allem auf die Versicherung gegen Hurrikanschäden in den USA. „Wir mögen das Katastrophengeschäft“, sagte Hiscox. Hier sucht er Großrisiken und Rückversicherungsverträge, die sogenannten Big Tickets. „Wir haben Appetit auf Risiken, aber nicht mehr, als wir in Hinsicht auf unser Kapital riskieren können.“

Als Ausgleich für die schweren Sturmrisiken zeichnet Hiscox ein ganz anderes Geschäft. „Wir bieten Spezialdeckungen in Nischen, die in keinerlei Beziehung zu den Sturmrisiken stehen.“ So streut der Versicherer das Risiko. Dazu gehören Managerhaftpflicht, Kunst- und Rennpferdeversicherungen für vermögende Privatkunden, Haftpflichtdeckungen für kleine und mittelgroße Firmen sowie Versicherungen gegen Hacker-Angriffe.

So wurde Hiscox auch zum weltweit größten Anbieter von Entführungs- und Lösegeldversicherungen, den „Kidnap and Ransom“-Deckungen (K&R). Sein Marktanteil liegt bei deutlich über 50 Prozent. „K&R ist sehr profitabel“, sagte Hiscox. Das Unternehmen deckt Firmen gegen die Entführung von Mitarbeitern ab. Die Risiken liegen vor allem in Südamerika, Afrika und dem Irak. Aber auch Reedereien versichern sich gegen Piratenüberfälle vor Somalia. „Wenn das Wetter schlecht ist, kaufen sie keine Versicherung für ihre Schiffe, weil die Piraten mit ihren kleinen Booten nicht an sie rankommen. Wenn das Wetter gut ist, kaufen sie“, sagte Hiscox.

Besonders freut es ihn, dass er fast alle Lösegeldsummen versichert, die auf Piratenschiffe abgeworfen werden – ob Hiscox der K&R-Versicherer ist oder nicht. „Wir versichern das mit speziellen Geldtransportdeckungen. Es ist schließlich höchst gefährlich, 3 oder 4 Mio. $ in bar in dieser Gegend herumzukutschieren.“ Das Bargeld wird gegen Raub durch Dritte oder den Verlust versichert, wenn die Hubschrauberbesatzungen beim Abwurf nicht das Schiff treffen und das Geld im Meer verschwindet.

Vor drei Jahren verlegte Hiscox den Hauptsitz der Gruppe von London auf die Bermudas. Damit ist der Versicherer auch dem größten Markt USA näher. Mit 600 Mitarbeitern erzielt Hiscox rund 1,2 Mrd. £ (1,4 Mrd. Euro) Prämie, davon knapp 40 Mio. Euro in Deutschland. Der Nachsteuergewinn brach 2008 von 125 auf 71 Mio. £ ein.

Die Finanzkrise traf Hiscox 2008 auf der Kapitalanlageseite. „Wir wollten vier Prozent verdienen, haben aber drei Prozent verloren“, sagte Hiscox. „Genau vor der Lehman-Pleite kauften uns Berater mit einigen Millionen dort ein“, sagte er. Angesichts der Bankenkrise sei er allerdings überrascht, dass die Assekuranz vergleichsweise wenig Geld verloren habe.

Die Ausnahme ist natürlich AIG, einer der größten Konkurrenten, der nur dank mehr als 170 Mrd. $ Staatshilfe überlebte. „In der Versicherungswirtschaft müssen wir alle mit diesen unrealistischen Preisen fertig werden, die AIG anbietet“, sagte Hiscox. „Man kann nicht zweimal sterben, das ist ihr Motto, und sie sind wild entschlossen, im Geschäft zu bleiben.“

Hiscox werde seine erfolgreiche Strategie nicht ändern. „Wir wollen unser Modell geografisch ausweiten“, sagte Hiscox. „Ich würde gerne in Indien aktiv werden“, sagte er. Für China sei Hiscox zu klein.

www.FTD.de/hiscox

Lukratives Versicherungsgeschäft

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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