Rückversicherer Scor sieht sich als Krisengewinner

Rezession steigert Nachfrage · Ertragsminus im Halbjahr

Von herbert fromme, Frankfurt

Der Pariser Rückversicherer Scor erwartet einen deutlichen Anstieg seiner Gewinne – wegen der Probleme seiner Kunden mit der Krise. Seine Klientel sind die Erstversicherer, die Risiken von Endkunden übernehmen und nun ihrerseits Schutz suchen.

„Bei den Erstversicherern geht der Rückgang des Eigenkapitals weiter“, sagte Scor-Chef Denis Kessler am Donnerstag. „Das wird die Nachfrage nach Rückversicherung steigern.“ Gleichzeitig gebe es keinen kurzfristigen Anstieg der Rückversicherungskapazität.

In der Finanzkrise haben zahlreiche Erstversicherer erhebliche Einbußen ihrer Kapitalbasis erlitten, vor allem wegen des Abschreibungsbedarfs auf Wertpapiere. Deshalb können sie weniger Geschäft zeichnen, denn sie müssen alle übernommenen Risiken mit einer bestimmten Kapitalquote unterlegen. Rückversicherung ist ein Ausweg. „Schon immer ist die Nachfrage nach Rückversicherung in Rezessionen gestiegen“, sagte er.

Allerdings ist der Preisanstieg in den jüngsten Vertragsverhandlungen mit rund 3,5 Prozent seit Jahresbeginn geringer ausgefallen als von vielen Rückversicherern erwartet. Kessler setzt auf die im September in Monte Carlo beginnenden marktweiten Gespräche mit den Kunden für das Jahr 2010.

Scor ist der erste der fünf großen globalen Rückversicherer, der Halbjahreszahlen vorlegte. Der Gewinn ging von 242 Mio. Euro auf 184 Mio. Euro zurück – wegen der Krise. Das Unternehmen musste ebenfalls 184 Mio. Euro auf Aktien und andere Wertpapiere abschreiben.

Die Prämieneinnahmen stiegen um 18 Prozent auf 3,25 Mrd. Euro. In der Rückversicherung von Schaden- und Unfallrisiken meldete Scor einen Prämienanstieg von 14 Prozent auf 1,70 Mrd. Euro. Schadenaufwand, Verwaltungs- und Vertriebskosten blieben mit 97,5 Prozent der Beitragseinnahmen vergleichsweise hoch, im Vorjahreszeitraum lag diese Quote bei 98,3 Prozent.

Scor ist nach der Übernahme von Converium und Teilen der früheren Gerling Globale neben Frankreich auch in der Schweiz und Deutschland stark vertreten. „Die Integration ist abgeschlossen“, so Kessler.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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