Experten rechnen nur mit Fusionen im kleinen Stil

Konsolidierungswelle bleibt aus · Validus kauft IPC

Von Herbert Fromme, Monte Carlo

Trotz bereits drei Fusionen 2009 erwartet die Rückversicherungsbranche keine große Konsolidierungswelle wie Mitte der 1990er-Jahre. Seinerzeit waren bedeutende Gesellschaften wie Kölnische Rück und Frankona binnen kurzer Zeit übernommen worden. „Alle drei Deals in diesem Jahr hatten sehr spezifische Ursachen“, sagte Mark Rouck von der Ratingagentur Fitch beim traditionellen Treffen der Rückversicherer in Monte Carlo.

Am Freitag hatte der Bermuda-Rückversicherer Validus den Rivalen IPC für 1,77 Mrd. $ geschluckt. Nach monatelangen Verhandlungen und einer heftigen Schlacht um IPC mit Max Holdings setzte Validus sich letztlich durch. Der neue Rückversicherer kommt auf 3,5 Mrd. $ Kapital. Anfang 2009 hatte die Hannover Rück einen großen Lebensversicherungsbestand von Scottish Re gekauft, im Juli gab die Bermuda-Gesellschaft Partner Re den Kauf der in der Schweiz beheimateten Paris Re bekannt. „Scottish Re musste einem Notverkauf zustimmen, IPC war zu einseitig auf die Abdeckung von Hurrikans festgelegt und brauchte einen Partner, der das Geschäft diversifizierte“, sagte Rouck. Bei Paris Re wollten die Eigner Kasse machen.

„Marktweit sprechen viele Faktoren gegen eine Konsolidierungswelle“, sagte Rouck. Dafür gehe es zu wenigen Anbietern richtig schlecht. Zudem sei es schwer, für eine Großübernahme Kapital aufzunehmen. John Andre von der Ratingagentur AM Best sagte, es würden eher Bestände an bestehendem Geschäft gekauft als Firmen.

Michael O’Halloran vom weltgrößten Rückversicherungsmakler Aon Benfield dagegen glaubt zumindest an Fusionen kleinerer Anbieter. „Die Kunden wollen nach der Krise Firmen mit mehr als 1 Mrd. $ an Prämieneinnahmen.“ Bei den Großen wie Münchener Rück, Swiss Re oder Gen Re dagegen sieht auch er keinen Trend zu Fusionen oder Übernahmen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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