Münchener Rück in neuem Gewand

Weltmarktführer tritt global nur noch als Munich Re auf · Beratungsangebote erhalten mehr Gewicht

Von Herbert Fromme, Monte Carlo

Die Münchener Rück ändert ihre Strategie und ihren Markenauftritt. Der weltgrößte Rückversicherer wolle künftig viel stärker als Berater seiner Kunden auftreten, anstatt ihnen einfach nur entsprechenden Schutz zur Verfügung zu stellen, sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek, der Chef des Kerngeschäfts Rückversicherung in dem diversifizierten Konzern, auf dem Welttreffen der Branche in Monte Carlo.

Mit dem Umbau reagiert der Konzern auf neue Anforderungen der Kunden und den Vormarsch der Rückversicherungsmakler. Im Kerngeschäft bieten Rückversicherer Erstversicherern wie Gothaer oder Württembergische Schutz gegen Großschäden und langfristige Belastungen aus Haftpflichtschäden. Der Markt ist hart umkämpft, und Jeworreks Erwartungen aus dem Jahr 2008, dass die Preise mindestens zweistellig steigen würden, haben sich nicht erfüllt.

Daher versucht das Unternehmen jetzt, sich deutlicher von der Konkurrenz abzusetzen und viel stärker als Berater der Erstversicherer aufzutreten. Dafür hat es – anders als viele Konkurrenten – das nötige Fachwissen. „Unsere Kunden erhalten ein anderes Produkt“, sagte Jeworrek. Die Beratungsleistung werde über höhere Preise für die Deckung oder eine Ausweitung der in München platzierten Rückversicherung kompensiert.

Sichtbarstes Zeichen nach außen hin ist, dass das Kerngeschäft der Münchener einen neuen Namen kriegt. „Die Münchener Rück wird weltweit zur Munich Re“, sagte Jeworrek. Auch in Deutschland wird es das seit 1880 vertraute „Münchener Rück“ nicht mehr geben.

Zudem fasst das Unternehmen einen Teil seiner Erstversicherer zusammen, die mit Großkunden und Regierungen Geschäfte machen. Sie sollen künftig unter dem neuen einheitlichen Namen „Munich Re Risk Solutions“ großen Endkunden Versicherungen anbieten. Die bisherigen Marken Munich American Risk Partners, Great Lakes oder Watkins Syndicate verschwinden, auch wenn die Namen der Gesellschaften erhalten bleiben.

Bei der Tochter Hartford Steam Boiler, die der Konzern Anfang 2009 gekauft hatte, dauert das allerdings zwei Jahre. „Wir haben Verkäufern und Kunden zugesagt, zwei Jahre lang die Marke nicht anzupacken“, sagte Jeworrek in Monte Carlo.

Kurz vor der Stellungnahme der Münchener Rück hatte der mit 75 Prozent Weltmarktanteil größte Rückversicherungsmakler Aon Benfield angekündigt, sein Geschäft vor allem in Deutschland ausbauen zu wollen. Die Beratung der Erstversicherer sei das Hauptinstrument dafür. Zurzeit werden in Deutschland nur neun Prozent der Deckungen über Makler platziert, der Rest direkt zwischen Erst- und Rückversicherern. In den USA liegt der Makleranteil bei mehr als zwei Dritteln.

Einen Schwerpunkt der Beratung für die Kunden will die Münchener Rück auf die Konsequenzen der neuen Eigenkapitalregeln Solvency II legen. Damit sollen die Erstversicherer besser in die Lage versetzt werden, die EU-weiten neuen Vorschriften umzusetzen.

Die Kritik von Versicherern in Deutschland und Großbritannien an der Umsetzung von Solvency II teilt Jeworrek nicht. Die Konsequenzen von Solvency II seien für einzelne Unternehmen zwar sehr unterschiedlich, manche hätten es schwerer. „Aber insgesamt ist Solvency II der richtige Weg, anderenfalls würden eines Tages externe Parteien die Regeln für unsere Branche festlegen, so wie das jetzt den Banken passiert.“ Die Solvency-II-Regeln waren in den vergangenen Jahren in enger Kooperation zwischen Branche, Aufsicht und EU-Kommission aufgestellt worden. Bis zur Einführung 2012 sei noch ausreichend Zeit für Anpassungen.

Zur Preisentwicklung äußerte sich Jeworrek deutlich vorsichtiger als noch vor einem Jahr. Anstatt zweistelliger Preiserhöhungen für 2010 sagt er jetzt nur noch voraus, dass die Preise nicht sinken würden. Ansonsten sei das Bild sehr diversifiziert. In Sparten wie der Kreditversicherung oder in der Managerhaftpflicht gebe es kräftige Steigerungen. „Im ,Brot-und-Butter-Geschäft` sind die Preise nicht auf das Niveau gestiegen, das wir erhofft hatten.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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