Regierung verweigert Staatshilfe für Reederei Offen

Firma bekommt nun Finanzierungshilfe von Commerzbank

Von Patrick Hagen, Köln

Der deutsche Reeder Claus-Peter Offen ist mit seinem Antrag auf Staatshilfe gescheitert. Der sei von der Regierung am Mittwoch abgelehnt worden, erfuhr die FTD aus Schifffahrtskreisen. Der Großreeder Offen hatte ebenso wie Rivale Peter Döhle Mittel aus dem Deutschlandfonds beantragt. Mit den Krediten wollten die Reeder von ihnen bestellte Schiffsneubauten teilweise finanzieren.

Nach eigenen Angaben ist Offen der weltgrößte Trampreeder. Er betreibt 116 Schiffe, mit denen er nicht selbst Güter transportiert, sondern sie an Linienreedereien vermietet. Im Gegensatz zu Offen hat die Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd eine Staatsbürgschaft über 1,2 Mrd. Euro erhalten. Die Regierung hielt Offens Geschäftsmodell nicht für förderwürdig, hieß es. „Weil er Schiffe nur vermietet, ist er kaum als volkswirtschaftlich wichtiger Unternehmer anzusehen“, sagte ein Banker. Offen hat 3500 Mitarbeiter.

Im Boom der vergangenen Jahre hatten Offen, Döhle und andere Eigner viele Schiffe neu bestellt, die in den kommenden Jahren ausgeliefert werden. Die meisten setzten darauf, die Grundfinanzierung mit Anlegergeldern über Schiffsfonds zu organisieren. Doch Schiffsfonds lassen sich im Moment kaum verkaufen.

Die Firma teilte mit, dass sie zwar Staatshilfe beantragt habe, sie jedoch zur Finanzierung der Neubauten nicht brauche: „Infolge des großen Antragvolumens galt die Machbarkeit von vornherein als eher unwahrscheinlich.“ Dass die Kredite versagt wurden, würde zu keinen größeren Problemen führen.

Das Neubauprogramm umfasst 19 Schiffe im Wert von 2,5 Mrd. Euro. Der Reeder hat 19 große Containerschiffe, sieben Produkttanker und vier Massengutfrachter in Auftrag gegeben. Für alle habe er Charterverträge mit Linienreedern für die Zeit nach der Lieferung abgeschlossen. Offen wollte die Grundfinanzierung vor allem mit den Fondshäusern MPC und Commerz Real umsetzen. Doch sie konnten nur die Hälfte der Fondsanteile bei Investoren platzieren. Die ausstehende Hälfte werde jetzt von Offen und seinen Partnern übernommen, so die Reederei. Ein Großteil trage die Commerzbank bei, hieß es in Schifffahrtskreisen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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