Versicherer streiten um Millionen

Börsenaspirant Talanx verklagt Globale Rück

Von Herbert Fromme, Köln

Der Hannoveraner Talanx-Konzern streitet mit Rückversicherer Globale Rück aus Köln um eine Millionenzahlung, riskiert mit der Auseinandersetzung aber seinen für 2010 geplanten Börsengang. Die Firmen bestätigten FTD-Informationen, nach denen die Talanx-Tochter HDI-Gerling Industrie die Globale Rück auf 14 Mio. Euro verklagt hat. Details wollten sie nicht nennen.

In der Branche heißt es, die Globale Rück wolle einen Anteil an Auto- und Industriehaftpflichtschäden nicht zahlen. Sie werfe ihrer einstigen Schwestergesellschaft unsaubere Abrechnungen vor. Die 14 Mio. Euro seien nur der Anfang, heißt es – insgesamt gehe es um mehr als 40 Mio. Euro.

Den Fall besonders macht, dass solche Streitigkeiten nur äußerst selten vor Gericht landen. In der Regel einigen sich die Parteien, da langfristige Geschäftsverbindungen auf dem Spiel stehen.

Die Globale Rück hieß einst Gerling Globale und wird seit 2002 abgewickelt – sie nimmt also kein Neugeschäft mehr an, muss aber die bestehenden Rückversicherungsverträge einhalten. Das kann Jahrzehnte dauern. Die Globale Rück gehört Achim Kann.

Der Münchener Manager muss keine Rücksicht auf Neugeschäftskunden nehmen, im Gegenteil: Er will die Kunden der Globale Rück dazu bewegen, ihre Forderungen gegen einen Barausgleich aufzugeben. Viele haben das bereits getan. In der Regel erhält der Kunde rund 60 Prozent der Schadenreserven, die bei der Globalen stehen, hat aber keinen Rückversicherungsschutz mehr.

Die HDI-Gerling-Gesellschaften haben sich auf einen solchen Deal bislang nicht eingelassen. Kein Wunder: Die auf ihre Verträge bezogenen Schadenreserven der Globale Rück belaufen sich auf mehr als 300 Mio. Euro – sie müssten also auf mindestens 120 Mio. Euro verzichten.

Die Zahlungsverweigerung der Globale Rück könnte HDI-Gerling indes zum Umdenken bringen, schließlich will ihre Mutter Talanx an die Börse. Da würde ein Streit um Millionen nur stören. In der Branche wird spekuliert, dass Kann genau darauf setzt.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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