Deutscher-Ring-Posse nervt BaFin

Finanzaufsicht zweifelt an „ordnungsgemäßem Betrieb“ · Anhörung vonTopmanagern

Von Herbert Fromme, Köln

Die Schlammschlacht um die Versicherungsgruppe Deutscher Ring alarmiert die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin): Nach FTD-Informationen aus Versicherungskreisen hat die BaFin eine Anhörung angesetzt. Für das schriftliche Verfahren haben die betroffenen Versicherer ausführliche Fragenkataloge erhalten. Es handelt sich um die drei Ring-Gesellschaften in Hamburg, die Basler in Bad Homburg sowie die Signal Iduna in Dortmund und Hamburg.

Die BaFin begründet ihren harschen, extrem ungewöhnlichen Schritt mit Zweifeln an der „Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung“, heißt es. Dahinter steht die Sorge der Versicherungsaufseher unter ihrem Chef Thomas Steffen, dass in der Schlammschlacht die Interessen der Kunden auf der Strecke bleiben könnten. Nach der Anhörung könnte die BaFin gegen Gesellschaften oder Vorstände vorgehen – und im Extremfall Topmanager absetzen. Die BaFin äußerte sich nicht.

Seit November 2008 gibt es Krach um den Deutschen Ring. Er besteht seit Gründung vor mehr als 80 Jahren aus den Aktiengesellschaften Deutscher Ring Leben (DR Leben) und Deutscher Ring Sach (DR Sach) – sowie dem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit Deutscher Ring Kranken (DR Kranken).

DR Leben sowie DR Sach gehören seit Langem der Schweizer Gesellschaft Bâloise. Sie ist unzufrieden mit der Struktur, weil sie immer wieder auf die Mitgliedervertreter des Vereins DR Kranken Rücksicht nehmen muss. 2008 wollte die Bâloise Nägel mit Köpfen machen und ihre Gesellschaften enger mit ihren Basler-Töchtern in Bad Homburg verzahnen.

Das Haupthindernis, Deutscher-Ring-Konzernchef Wolfgang Fauter, wurde zusammen mit anderen Vorständen gefeuert. Doch entgegen den Erwartungen der Bâloise ließ die DR Kranken Fauter und Kollegen im Amt.

Seither müssen die Angestellten des Deutschen Rings, von denen viele zwei Arbeitsverträge mit DR Kranken und DR Leben haben, mit zwei gegeneinander arbeitenden Vorständen in einem Haus fertig werden.

Noch komplizierter ist die Lage, seit sich die DR Kranken der Gruppe Signal Iduna angeschlossen hat, die von Versicherungsvereinen geführt wird. Die Kooperation mit den Bâloise-Töchtern führt die DR Kranken aber fort.

Signal Iduna/DR Kranken haben der Bâloise ein Übernahmeangebot für DR Leben und DR Sach gemacht und vorgeschlagen, im Gegenzug die gemeinsam gehaltene Vertriebsgesellschaft OVB an die Bâloise abzugeben. Die hat abgelehnt – angesichts der Krise im Hauptgeschäftsfeld Osteuropa ist die OVB für die Schweizer unattraktiv. Außerdem will Bâloise die Präsenz in Deutschland ausbauen, nicht reduzieren.

Die Schweizer bestehen deshalb auf einer Trennung der drei Ring-Gesellschafen in Hamburg, was angesichts des gemeinsamen Vertriebs und der einheitlichen Verwaltung schwierig ist.

„Der Zustand verstößt gegen Versicherungsaufsichtsrecht und Wettbewerbsrecht“, sagte Bâloise-Chef Martin Strobel. „Signal Iduna ist ein unmittelbarer Wettbewerber von Deutscher Ring Sach und Deutscher Ring Leben.“

Signal Iduna und DR Kranken kontern, dass die Basler schließlich auch Krankenversicherungen für die Ergo-Tochter Victoria Kranken vermittelt. Noch gibt es offenbar wenig Einigungswillen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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