Für Exporte in den Osten gibt es kaum Schutz

Hermesbürgschaften als Alternative zur Privatpolice

Von Anja Krüger

Für deutsche Exporteure ist es extrem schwer, Lieferungen nach Zentral- oder Osteuropa auf dem privaten Kreditversicherungsmarkt abzusichern. Dafür kommen sie neuerdings leichter an die staatlichen Hermesbürgschaften.

Die Krise hat die Länder und damit auch die Unternehmen in der Region hart getroffen. „In diesem Zusammenhang hat auch die Zahlungsmoral erheblich nachgelassen“, erklärt Thomas Langen, Mittel- und Osteuropaexperte des Kreditversicherers Atradius. Die Gefahr für Exporteure steigt, dass sie auf offenen Rechnungen sitzen bleiben. In normalen Zeiten können sie sich mit einer Warenkreditversicherung gegen das Risiko absichern, dass der Kunde zwischen Erhalt der Lieferung und Zahlungsziel pleitegeht. Das geht aber nur, wenn der Kunde die akribische Risikoprüfung besteht.

Zurzeit sei es selbst für viel Geld fast unmöglich, für Exporte nach Osteuropa Schutz zu bekommen, sagt Cengiz Horn vom Kreditversicherungsmakler Gossler, Gobert & Wolters. „Die Versicherer haben keine Lust, Samariter zu spielen.“. Die Kreditversicherer bestreiten, dass sie sich aus der Region zurückgezogen haben. „Es gibt keinen Ausschluss von bestimmten Ländern“, sagt Sabine Enseleit vom Kreditversicherer Euler Hermes, einer Tochter des Allianz-Konzerns. Der Versicherer prüfe jedes Risiko. „Aber es ist schwerer geworden, Schutz für Osteuropa zu bekommen“, sagt auch sie.

Auch Atradius bestreitet den Rückzug aus der Region. „Wie in anderen Regionen auch stellen wir in Mittel- und Osteuropa überall dort Kreditversicherungsschutz zur Verfügung, wo dies nach Analyse des Einzelfalls möglich ist“, sagt Langen. Aktuell sei zu beobachten, dass die Unternehmen in der Region offener mit ihren Kreditgebern zusammenarbeiten und besser informieren. Die höhere Transparenz hat zur Folge, dass die Versicherer Risiken neu bewerten und teilweise höhere Deckungssummen gewähren. „Besonders schwierig schätzen wir die Situation in der Ukraine ein“, sagt Langen. „Positive Impulse sehen wir in Tschechien und Polen sowie in einem etwas geringeren Maß auch in Ungarn.“

Förderwürdige Risiken

Bekommen Exporteure keinen privaten Schutz, können sie die staatlichen Hermesbürgschaften beantragen. Seit August gibt es diese Deckungen auch für Lieferungen mit einem Zahlungsziel von zwei Jahren für osteuropäische Länder, die Mitglied in der EU oder in der OECD sind. „Die Nachfrage ist groß“, sagt Ruth Bartonek, Sprecherin für die Exportkreditgarantien des Bundes. Auch für die Hermesbürgschaften gibt es eine Risikoprüfung. Anders als bei den privaten Deckungen können Firmen aber auch bei sehr riskanten Aufträgen Schutz bekommen. „Das ist der Fall, wenn Projekte als förderwürdig eingestuft werden, zum Beispiel weil sie Arbeitsplätze sichern“, sagt sie. Auf Wunsch können Firmen sich von Fachleuten kostenlos beraten lassen. Sie machen Vorschläge, wie Exporteure die Hermesbürgschaften mit anderen Instrumenten kombinieren können.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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