Versicherer vertagen Krise auf 2010

Assekuranz wächst in diesem Jahr überraschend gut · Künftig weniger Prämienerwartet

Von Friederike Krieger

und Herbert Fromme, Berlin

D ie deutschen Versicherer werden bei ihren Umsatzzahlen 2010 die Krise nicht länger überlisten können – wie es ihnen noch 2009 gelang. Die Branche wird dann in der Lebensversicherung, ihrer umsatzstärksten Sparte, ein Minus von drei Prozent bei den Prämieneinnahmen verschmerzen müssen, schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Für die private Krankenversicherung rechnet der Verband mit einem Beitragsplus von fünf Prozent, in der Schaden- und Unfallversicherung mit einem leichten Minus von 0,5 Prozent.

Insgesamt wird das Prämienaufkommen 2010 voraussichtlich um 0,5 Prozent schrumpfen. „Aber selbst diese Entwicklung können wir unter den aktuellen Umständen immer noch als robust bezeichnen“, sagte GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen. 2009 nehmen die deutschen Versicherer voraussichtlich 169,6 Mrd. Euro Beiträge ein – rund 3,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Verband zeigte sich äußerst kompromissbereit gegenüber der Politik. In der Branche herrscht die Hoffnung, dass Schwarz-Gelb der Assekuranz mittelfristig deutlich mehr nutzt als die bisherige Große Koalition. Aber offenbar wollen die Versicherungschefs die Regierung Merkel nicht durch allzu forsche Forderungen frühzeitig unter Druck setzen. So übte Hoenen nur moderate Kritik an den Plänen der EU und des Bundeskartellamts, das Verbot der Provisionsabgabe von Vermittlern an Kunden aufzuheben. „Das Provisionsabgabeverbot hat sich über Jahrzehnte bewährt“, sagte Hoenen. Es diene dem Schutz der Vermittler. „Es wäre schön, wenn es bleiben würde, aber wenn der Gesetzgeber auf die Streichung besteht, werden wir mitmachen.“

Auch in Sachen Honorarberatung zeigte sich der GDV weichgespült. Dabei würde der von Verbraucherschützern geforderte Ausbau des Vergütungsmodells die Kontrolle der Versicherer über den Vertrieb mindern. Hoenen sprach sich für ein „ausgewogenes Miteinander von provisionsbasiertem Vertrieb und Honorarberatung“ aus. Damit kommt er Bestrebungen von Verbraucherministerin Ilse Aigner entgegen, die Honorarberatung auszubauen.

In der privaten Krankenversicherung wiederholte die Branche bekannte Forderungen. Zwar steigen dort die Prämieneinnahmen 2009 wohl um vier Prozent auf 31,5 Mrd. Euro. Doch die Leistungen legen voraussichtlich um sechs Prozent auf 21,4 Mrd. Euro zu. „Deshalb fordern wir, mit den Ärzten und auch der Pharmabranche direkt verhandeln zu können“, sagte Reinhold Schulte, Chef des Verbands der privaten Krankenversicherer. Für die höheren Ausgaben seien vor allem Kostensteigerungen bei Zahnarztbehandlungen und Medikamenten verantwortlich.

Der Verband geht davon aus, dass die Branche künftig viel mehr Geschäfte gegen Einmalbeitrag machen wird. „Wir werden in der Zukunft eher mehr Einmalbeiträge sehen als weniger“, sagte Maximilian Zimmerer, Vorsitzender des Hauptausschusses Leben im GDV. Im laufenden Jahr erwartet die Branche in diesem Geschäftsfeld 18 Mio. Euro, ein Plus von 45 Prozent.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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