Bund schultert Ausfallrisiken von Warenlieferungen

Vereinbarung mit Kreditversicherern unterzeichnet

Von Herbert Fromme, Köln

Die Bundesregierung und die Kreditversicherer haben gestern die Verträge unterzeichnet, mit denen der Staat reduzierte Kreditdeckungen auffüllt. Der Deal war noch unter der Großen Koalition auf Druck der Industrieverbände ausgehandelt worden. Berlin stellt dafür 7,5 Mrd. Euro zur Verfügung.

Mit Kreditversicherungen schützen sich Firmen gegen die Pleite eines Abnehmers. In den vergangenen Monaten haben die Versicherer die Deckung aber in vielen Fällen ganz ausgeschlossen oder reduziert, weil sie Ausfälle befürchten mussten.

Bei verringerten Absicherungen springt künftig der Staat ein – aber nur bis zur Summe, die private Versicherer decken. Wenn Euler Hermes, Atradius, Coface, R+V und Zurich keine Deckung gewähren, weil der Warenempfänger als nicht kreditwürdig gilt, hilft der Staat nicht. Das System läuft bis Ende 2010 und wird gegen Gebühr verwaltet. Die Staatsdeckung kostet 2,88 Prozent pro Jahr und ist damit teurer als die private.

„Die Kreditversicherer benötigen keinen Rettungsschirm“, sagte Atradius-Deutschlandchef Peter Ingenlath, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Es gehe um Unterstützung für die Wirtschaft und deren Abnehmer. Die Branche habe die Kunden nicht im Regen stehen lassen: Der Rückgang des versicherten Liefervolumens um neun Prozent auf 259 Mrd. Euro seit Ende 2008 sei der verschlechterten Kreditwürdigkeit vieler Firmen und der Krise geschuldet. „Es gibt in der Wirtschaft eine andere Wahrnehmung“, gestand Ingenlath ein. „Das ist zum Teil auch gerechtfertigt.“ Es gehe dabei meistens um ein oder zwei kritische Kunden, für die es in guten Zeiten Deckung gegeben habe, jetzt aber nicht mehr. „Das sind dann Fälle, die bis in die Vorstandsetage hochgehen.“

Die Kreditversicherer erwarten in Deutschland in diesem Jahr Prämieneinnahmen von 1,37 Mrd. Euro, 1,5 Prozent weniger als 2008. Für Schäden und Kosten geben sie 114 Prozent der Beiträge aus.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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