Schnäppchen voraus

Fondshäuser wollen in der Krise Not leidende Schiffe kaufen. Die Anleger sindskeptisch – sie sollen in Blind Pools investieren

VON Patrick Hagen

und Katrin Berkenkopf

Der Verkauf von klassischen Schiffsfonds ist nahezu zum Erliegen gekommen, jetzt wollen einige Anbieter von der Krise profitieren. Ihr Geschäftsmodell klingt plausibel: heute günstig notleidende Schiffe übernehmen und sie in einigen Jahren teuer weiterverkaufen. Mehr als ein halbes Dutzend dieser Geierfonds gibt es schon auf dem Markt. Sie tragen Namen wie Marktchance, Krisengewinner oder Schnäppchenfonds. Ob sich die geplanten Käufe wirklich zu einem Schnäppchen für die Anleger entwickeln, wird sich aber erst in einigen Jahren zeigen.

Die Marktpreise für Schiffe sind im vergangenen Jahr je nach Typ um mehr als die Hälfte gefallen. Die ersten Schnäppchenjäger haben 2009 schon zugeschlagen. Das Hamburger Emissionshaus Maritim Equity hat zusammen mit der Reederei Carsten Rehder zwei Containerfrachter gekauft. Die Schiffe kosteten je 21,5 Mio. $. Typgleiche Schiffe lagen vor dem Absturz der Schifffahrtsmärkte bei 45 Mio. $.

Außer Maritim Equity hat bisher nur die Oltmann Gruppe aus Leer mit ihrem Schnäppchenfonds Schiffe gekauft. HCI Capital, bisher Marktführer bei klassischen Schiffsfonds, will erst in diesem Jahr zugreifen. „Wir gehen davon aus, dass wir die wirklich attraktiven Opportunitäten erst im Laufe des gerade begonnenen Jahres und im kommenden Jahr sehen werden“, sagt Vorstandsmitglied Oliver Moosmayer. Bisher gab es wenige Notverkäufe von Schiffen, da die Banken noch viel Geduld mit ihren säumigen Kunden aus der Schifffahrt haben – im eigenen Interesse. Denn sollte es zu einer Welle von Verkäufen zu Niedrigstpreisen kommen, drohen hohe Abschreibungen.

Manche Experten sind skeptisch, dass sich das ändert. „In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob sich überhaupt ausreichend Gelegenheiten zum Kauf gebrauchter Schiffe zu Schnäppchenpreisen bieten werden“, sagt Tim Richter von Nordcapital, einem der größten Anbieter von Schiffsbeteiligungen.

Nicht nur fehlende Kaufgelegenheiten bremsen die Fonds. Das Interesse der Anleger ist längst nicht so groß wie erhofft. So hat HCI mit seinem Fonds HCI Shipping Opportunity bislang 4 Mio. Euro bei wohlhabenden Privatleuten eingesammelt, angepeilt sind mindestens 20 Mio. Euro. „Generell ist die Ausbeute der Schnäppchenfonds bisher sehr dürftig gewesen“, sagt der Schiffsfondsexperte Jürgen Dobert.

Die Zurückhaltung der Anleger ist auch darauf zurückzuführen, dass die Fonds als Blind Pools konzipiert sind. Anleger wissen bei Zeichnung der Fondsanteile nicht, wofür ihr Geld später verwendet wird. Normalerweise wissen die Investoren, welches Schiff sie finanzieren. Blind-Pool-Konzepte werden dennoch auch nach der Krise Bestand haben, glaubt Hans-Jürgen Kaiser-Blum, Geschäftsführer des Anbieters Ocean Partners Shipping (OPS). Denn das traditionelle Modell, bei dem die Banken ein Schiff vorfinanzierten, bis das Eigenkapital von Investoren eingesammelt war, werde nicht mehr funktionieren, sagt er. OPS gehört mit 29 Mio. Euro an eingeworbenem Kapital zu den erfolgreicheren Kapitalsammlern. Allerdings hat der Anbieter seinen Schnäppchenfonds schon vor eineinhalb Jahren aufgelegt.

Der OPS-Fonds geht jetzt in die Investitionsphase. Kaiser-Blum will bis zu vier Containerschiffe kaufen. Angebote gebe es genug, sagt er, etwa 20 bis 30 Objekte kämen für seinen Fonds infrage.

Am billigsten sind Schiffe ohne aktuellen Chartervertrag. Dafür muss der Fonds die beschäftigungslose Zeit überbrücken können. „Ein günstig erworbenes Schiff kann durch Aufliege-, Zins- und Eigenkapitalkosten sehr schnell wieder teuer werden“, sagt HCI-Vorstand Moosmayer. Für ein mittelgroßes Schiff, das 2009 für 20 Mio. $ erworben wurde, könnten so jährliche Kosten von 3,5 Mio. $ entstehen. Ein günstiger Kaufpreis allein garantiert also nicht, dass der Fonds auch für die Anleger ein Erfolg wird. „Ob der Kauf eines Schiffs ein Schnäppchen war, entscheidet sich erst im Laufe der nächsten Jahre“, betont Dobert.

Einig sind sich die Initiatoren darin, dass man Erfahrung und Kontakte braucht, um an günstige Schiffe zu kommen. Bei OPS soll dafür der Gesellschafter Howe Robinson bürgen – einer der weltgrößten Schiffsmakler. HCI kooperiert mit der Reederei Peter Döhle, einem der wichtigsten Vermieter von Containerschiffen. Dennoch ist es fraglich, ob die Schnäppchenfonds an die besten Stücke auf dem Markt herankommen werden, sagt Dobert. Er sieht die Gefahr, dass die Fonds irgendwann unter Investitionszwang geraten und nicht auf das beste Angebot warten können.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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