Buffett erhöht Anteil an Munich Re

US-Investor hält jetzt mehr als fünf Prozent · Übernahme derEisenbahngesellschaft BNSF komplett

Von Herbert Fromme, Köln

Warren Buffett hat seinen Anteil an dem Rückversicherer Munich Re weiter ausgebaut. Das Unternehmen teilte am Freitag in München mit, dass Buffett und seine Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway am 4. Februar die meldepflichtige Schwelle von fünf Prozent überschritten hatten. Buffett besitzt genau 5,07 Prozent, damit ist er der größte Einzelaktionär des Weltmarktführers in der Rückversicherung. Zudem hält er Kaufoptionen für weitere knapp zwei Prozent. Versicherungskreise gehen davon aus, dass er diese am Stichtag 11. März in Aktien umwandelt und dann rund sieben Prozent besitzt.

Für Management und Aktionäre der Munich Re sind das gute Nachrichten. Denn Buffett investiert traditionell in Unternehmen, die er für unterbewertet hält. Der Schritt deutet auch darauf hin, dass er an eine baldige Veränderung der Marktbedingungen glaubt. In den vergangenen zwei Jahren konnten sich die Rückversicherer, allen voran Munich Re, mit den seit Langem gesuchten Preiserhöhungen nicht durchsetzen. Im Gegenteil, bei den Verhandlungen mit ihren Kunden, den Erstversicherern, für das Jahr 2010 mussten die meisten Gesellschaften nachgeben.

Die Erstversicherer wie Allianz oder Zurich, die bei Rückversicherern Schutzdeckungen gegen hohe Katastrophenschäden und andere potenziell ruinöse Belastungen kaufen, verwiesen auf die eigenen Schwierigkeiten, bei Privatleuten und Industrie höhere Raten durchzusetzen. Gleichzeitig profitierten die Erstversicherer von der Erholung der Finanzmärkte. So konnten es sich die meisten leisten, mehr Risiken selbst zu behalten, anstatt sie an Rückversicherer abzugeben.

Buffett besitzt selbst zwei Rückversicherungsgesellschaften. Seit 1998 gehört ihm die US-Gesellschaft Gen Re, die im traditionellen Geschäftsfeld tätig ist. In Deutschland ist die Kölnische Rück Teil der Gruppe.

Berkshire Hathaway Re hat sich auf sehr große Einzelgeschäfte spezialisiert, zu denen Retrodeckung gehört, die Rückversicherung der Rückversicherer.

Auch bei Swiss Re, dem zweitgrößten Rückversicherer der Welt, ist Buffett mit drei Prozent ein wichtiger Aktionär. Außerdem hat er dem Unternehmen Anfang 2009 mit einem Darlehen von 3 Mrd. Franken (2 Mrd. Euro) aus der Klemme geholfen, die 2012 in Aktien umgewandelt werden könnten – wenn die Schweizer sie nicht mit einem deftigen Aufschlag vorher zurückkaufen.

Das Münchner Management muss nicht fürchten, dass sich der Großaktionär Buffett zu sehr in die Tagesarbeit einmischt. Das entspricht nicht seiner Geschäftsphilosophie, außerdem hat er bei seiner sehr schlanken Holding dafür kaum die Managementkapazität.

Erwartungen, dass Buffett die Mehrheit an Munich Re kaufen und sie mit Gen Re oder Swiss Re fusionieren will, dürften grundlos sein – eine solche Großfusion ergibt zurzeit wenig Sinn, weil viele Kunden zwecks Streuung ihrer Risiken einer fusionierten Gesellschaft weniger Geschäft geben würden.

Allerdings könnten Übernahmefantasien im Gefolge der Berkshire-Aktion der Munich Re-Aktie nutzen, die in den vergangenen Monaten deutlich schlechter als der Dax verlief.

Am Freitag schloss Buffett auch die Übernahme der US-Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF) ab. Buffett gab 26,7 Mrd. $ in einer Mischung aus Barzahlung und Aktien für die 77,4 Prozent aus, die ihm noch nicht gehörten. Einschließlich der BNSF-Schulden in Höhe von 10 Mrd. $ beläuft sich der Umfang der Transaktion auf rund 44 Mrd. $.

Die Eisenbahngesellschaft ist der größte Transporteur von Kohle und Getreide in den USA. „Wir wetten auf die wirtschaftliche Zukunft der USA“, hatte Buffett im November 2009 erklärt, als er die Übernahme bekannt machte. „Ich mag solche Wetten“, fügte er hinzu.

Allerdings hat sich Buffett mit der Übernahme eine Absenkung seines Ratings eingehandelt. Die Agentur Standard & Poor’s (S&P) senkte am 4. Februar ihr Urteil über Berkshire Hathaway von „AAA“ auf „AA+“.

S&P begründete die Herabstufung ausdrücklich mit der Übernahme der Eisenbahngesellschaft. „Wir glauben, dass die Übernahme die lange außergewöhnlich starke Kapitalausstattung und Liquidität schwächt, und dass ein Investitionsrisiko durch die hohe Konzentration besteht“, erklärte S&P-Analyst John Iten in New York. Bei anderen Großinvestments wie dem Kreditkartenanbieter American Express oder dem Getränkekonzern Coca-Cola hält Buffett jeweils um zehn Prozent.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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