Hannover Rück meidet Aktien

Weltweite Nummer vier kann kaum Preiserhöhungen durchsetzen

Von Friederike Krieger, Köln

Die Hannover Rück lässt nach den verlustreichen Krisenerfahrungen die Finger von Aktien als Finanzanlage. „Das Wohl und Wehe der Hannover Rück hängt nicht von Aktien ab“, sagte Finanzvorstand Roland Vogel gestern vor der Presse in Hannover. Der weltweit viertgrößte Rückversicherer hatte 2008 wegen hoher Abschreibungen 127 Mio. Euro Verlust gemeldet und hält seitdem keine Aktien mehr.

Solange die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) den negativen Ausblick für die Hannover Rück beibehalte, falle es schwer, das Aktienengagement auszuweiten, sagte Vogel. Seine Äußerungen spiegeln die Vorsicht der Branche, trotz der Börsenhausse 2009. Auch Marktführer Munich Re rechnet mit schwierigen Zeiten. S&P droht der Hannover Rück wegen Problemen bei der Kapitalbeschaffung mit der Herabstufung des guten „AA-„-Ratings, das ein wichtiges Qualitätsmerkmal für Rückversicherer ist.

Aktienkäufe würden viel Eigenkapital binden. Nach den neuen Regeln Solvency II muss ein Rückversicherer für 100 Mio. Euro, die in Aktien angelegt sind, rund 60 Mio. Euro Eigenkapital vorhalten. Die Hannover Rück werde nach den Vertragsverhandlungen mit Erstversicherern im Juli das Thema noch einmal überdenken, sagte Vogel weiter.

Der Konzern will 2010 seine Bruttoprämieneinnahmen um rund fünf Prozent steigern. In den ersten neun Monaten 2009 hatte er rund 7,7 Mrd. Euro Prämien eingenommen. Die Zahlen für das Gesamtjahr 2009 gibt die Hannover Rück im März bekannt. Nach früheren Angaben rechnet sie mit 693 Mio. Euro Gewinn.

In der Schadenrückversicherung will die Hannover Rück ihre Bruttoprämieneinnahmen 2010 um 3,5 Prozent auf 4,5 Mrd. Euro steigern. Die Vertragserneuerung mit den Erstversicherern zum 1. Januar sei wie erwartet verlaufen, sagte Konzernchef Ulrich Wallin. „Die Raten und Konditionen blieben weitgehend stabil. Ein leichter Druck auf die Preise war nach dem besonders guten Jahr 2009 zu erwarten.“

Insbesondere bei der Rückversicherung von Katastrophenschäden sanken die Prämien, in den USA um bis zu zehn Prozent. Der Grund war unter anderem das Ausbleiben großer Schäden. Zudem hat sich die Kapitalbasis der Erstversicherer stärker als erwartet verbessert. „Es gab keine verzweifelten Käufer von Rückversicherungsschutz“, sagte Vorstandsmitglied Jürgen Gräber.

Positiv haben sich dagegen die Geschäftsfelder Luftfahrt sowie Kredit und Kaution entwickelt. In der Luftfahrt seien Preiserhöhungen zwischen 10 und 15 Prozent möglich gewesen, so Gräber. Hier hatte es 2009 hohe Schäden gegeben. Der Absturz einer Air-France-Maschine über dem Atlantik kostete die Hannover Rück 30 Mio. Euro – der größte Einzelschaden 2009.

In der Kreditrückversicherung konnte die Gesellschaft die Prämien um 10 bis 20 Prozent anheben. Das Geschäft in Deutschland habe sich besser entwickelt als erwartet. In dem für die Hannover Rück wichtigen Kfz-Haftpflichtbereich zahlten die Kunden rund fünf Prozent mehr.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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