MPC und HCI bleiben auf Produkten sitzen

Schiffsfondsanbieter sammeln kaum noch neues Kapital ein · Hoffen aufRettungspaket der Banken · Börsianer reagieren gelassen

Von Patrick Hagen, Köln

Die Schiffsfinanzierer HCI Capital und MPC Capital haben einen dramatischen Einbruch ihrer Platzierungszahlen erlitten. Bei MPC fiel das bei Privatanlegern gesammelte Eigenkapital für Schiffsbeteiligungen von 199 Mio. Euro 2008 auf 10 Mio. Euro im Jahr 2009. Das traditionell vertriebsstarke Haus HCI konnte Fondsanteile im Wert von 86 Mio. Euro verkaufen, im Vorjahr waren es noch 336 Mio. Euro gewesen.

Emissionshäuser wie MPC und HCI legen geschlossene Fonds zur Finanzierung von Schiffen, Immobilien oder Flugzeugen auf. Das Eigenkapital dafür sammeln sie bei Privatanlegern ein, der Rest der Finanzierung kommt von Banken gegen Hypothek. Der Einbruch bei den Platzierungszahlen stürzt die Branche jetzt in große Probleme. Die Firmen haben viele neue Schiffe zur Lieferung in den kommenden Jahren bestellt – in der Erwartung, dass sich das Eigenkapital dafür problemlos bei Privatanlegern einwerben lasse.

HCI hatte bereits im August 2009 ein Restrukturierungspaket angekündigt. Bisher haben aber immer noch nicht alle der mehr als zehn Banken zugestimmt. Das Unternehmen will erreichen, dass die Banken es von einem Großteil seiner Eventualverbindlichkeiten freistellen. HCI hat gegenüber den Banken umfangreiche Garantien und Bürgschaften für die Vorfinanzierung des Eigenkapitals abgegeben. Wie in der Branche üblich, wurden erst die Schiffe bestellt und danach das Eigenkapital eingeworben. Bis dahin stellen Banken die volle Finanzierung bereit.

HCI hat 80 Schiffe in Auftrag gegeben, die bis 2013 gebaut werden. Ein Sprecher sagte, dass HCI mit den Werften über Abbestellungen und Verschiebungen spreche, teils auch erfolgreich. Kenner gehen aber davon aus, dass ein Großteil der bestellten Schiffe geliefert wird.

Die größten Gläubiger von HCI sind HSH Nordbank und Commerzbank. Beide haben dem Paket zugestimmt. Vor allem die angeschlagene HSH, globaler Marktführer in der Schiffsfinanzierung, braucht eine Lösung. Anderenfalls drohen ihr hohe Abschreibungen.

Teil des Rettungspakets ist eine Kapitalerhöhung um 22 Mio. Euro durch die beiden Großaktionäre, MPC und die Reederei Peter Döhle. Das ist für beide Firmen zurzeit aber nicht zu stemmen. MPC verhandelt ebenfalls mit seinen Banken. Dem Unternehmen macht zu schaffen, dass es mit 41 Prozent größter HCI-Aktionär ist. MPC musste bereits 80 Mio. Euro auf die Beteiligung abschreiben. 2009 hatte MPC sein Kapital erhöht und sich so etwas Luft bei den Banken verschafft. Döhle leidet stark unter der Schifffahrtskrise und hatte 2009 einen Antrag auf Staatshilfe eingereicht, ihn dann aber wegen Aussichtslosigkeit zurückgezogen.

An der Börse notierten MPC-Aktien am Freitag fast unverändert, HCI-Titel gewannen 6,4 Prozent.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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