Allianz schwächelt in Deutschland

Ertrag sinkt trotz Umsatzsteigerung im Jahr 2010 deutlich · Marktführerschaftin der Kfz-Sparte wackelt

Von Herbert Fromme, München

Der Allianz-Konzern hat im abgelaufenen Jahr trotz gestiegener Umsätze einen deutlichen Gewinnrückgang im Heimatmarkt erlitten. Der größte Versicherer des Landes erzielte 2009 einen Gewinn von 1 Mrd. Euro, das ist ein Rückgang von 57 Prozent gegenüber den 2,3 Mrd. Euro des Vorjahres. Dazu trugen niedrigere Kapitalerträge und ein höherer Schadenaufwand bei. Außerdem stiegen die Kosten. Daneben konnte das Unternehmen 2008 einen Sonderertrag durch den Verkauf von Immobilien verbuchen, der sich 2009 nicht wiederholte.

Den Umsatz konnte Deutschlands größter Versicherer 2009 zwar um 6,9 Prozent auf 27,7 Mrd. Euro steigern – dies lag aber vor allem an der erstmaligen Einbeziehung der neuen Allianz Bank. Die Beiträge aus Versicherungen sanken leicht von 23,0 Mrd. Euro auf 22,8 Mrd. Euro.

Seit Jahren liefern sich die Versicherer in der Schaden- und Unfallversicherung – Autos, Gebäude, Haftpflicht- und Unfalldeckungen – einen harten Preiswettbewerb. Im Krisenjahr 2009 wurde der Kampf noch härter. Bei der Allianz verschlechterte sich die Quote der Zahlungen für Schäden, Vertriebs- und Verwaltungskosten von 95,6 Prozent der Beiträge auf 98,7 Prozent nach internationaler Rechnungslegung IFRS. Nach deutschem HGB-Standard lag die Allianz bei 94,6 Prozent und habe damit besser als der Markt mit rund 97 Prozent abgeschnitten, sagte Gerhard Rupprecht gestern in München. Der Deutschlandchef der Allianz wechselt im Juli in den Aufsichtsrat des Versicherers. Sein Nachfolger wird der heutige Vertriebschef Markus Rieß.

In der Autoversicherung ging die Zahl der Allianz-versicherten Fahrzeuge um 300 000 auf 8,44 Millionen zurück. Die Allianz hat vor allem im Flottengeschäft mit Unternehmen die Preise erhöht. Dennoch sanken die Beitragseinnahmen in der Autoversicherung um 3,4 Prozent auf 3,3 Mrd. Euro. Der Marktzweite HUK-Coburg kommt zurzeit auf 8,5 Millionen Fahrzeuge, zählt dabei aber 250 000 Mopeds mit, die bei der Allianz außen vor bleiben. Dennoch ist abzusehen, dass die Allianz 2010 die Marktführerschaft an die HUK-Coburg verliert. „Das wird mir keine schlaflosen Nächte bereiten“, sagte Rupprecht. „Das kann man in guten Jahren leicht aufholen.“ Heute kaufe der Markt mit niedrigen Preisen künftige Verluste ein. „Das ist ein Vorgang, bei dem wir gern auf die Marktführerschaft verzichten.“ Das Unternehmen habe 2009 in der Kfz-Sparte eine Schaden- und Kostenquote von 110,2 Prozent der Beiträge verzeichnet.

In der Lebensversicherung dagegen kann die Allianz mit ihrer Größe und finanziellen Stabilität gerade in der Krise punkten. Hier nahm sie 15 Mrd. Euro an Beiträgen ein, das sind 11,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Einmalbeiträge von Firmen, die ihre Betriebsrenten auslagerten, bankähnliche Parkdepots und private Rentenversicherungen zählten zu den wichtigsten Wachstumstreibern.

Im laufenden Jahr werde die Allianz aber einen spürbar höheren Gewinn erzielen, sagte Rupprecht. Kostensenkungen und eine rigidere Annahmepolitik sollen sich auszahlen. Der Sturm „Xynthia“, der die Allianz in Deutschland 90 Mio. Euro kostet, stehe dem nicht entgegen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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