Aussteigen verboten

Anlegern sind offene Schiffsfonds zur Falle geworden. Sie prüfen jetzt die Erfolgschancen einer Klage gegen ihre Investmentberater

Von Patrick Hagen,

Katrin Berkenkopf

und Maximilian Pisacane

Die Investoren des offenen Schiffsfonds LF Open Waters OP müssen um ihre Anlage bangen. Das Emissionshaus Lloyd Fonds hat den Fonds im Herbst 2008 geschlossen und bisher nicht wieder geöffnet. Die Zukunft des Fonds hängt von einer Einigung mit dem Geldgeber HSH Nordbank ab, da die Einnahmen aus dem Schiffsbetrieb nicht ausreichen, um Kredite voll zu bedienen.

Einige Privatinvestoren des LF Open Waters fühlen sich jetzt getäuscht. Die Anlage sei ihnen als sicher verkauft worden, sagt Anwalt Joachim Schweiger von der Kanzlei DSKP, der die Interessen von Investoren vertritt. „Für uns gilt es jetzt zu überlegen, inwieweit Anleger ihre Sparkassen und Banken für solch desaströse Anlageberatungen in Anspruch nehmen können“, sagt Schweiger.

Der 2006 aufgelegte LF Open Waters OP war der erste offene Schiffsfonds. Mit dem Instrument sollten Schiffsbeteiligungen – eigentlich eine Domäne geschlossener Fonds – einfach handelbar werden. Wie offene Immobilienfonds stieß das Modell in der Krise aber an seine Grenzen: Um zu verhindern, dass zu viele Anleger ihre Anteile abziehen, schloss der Initiator den Fonds. Ansonsten hätte er Schiffe verkaufen müssen, deren Wert aufgrund der Überkapazitäten in der Schifffahrt stark gesunken ist. Dazu kam, dass Schiffsmakler die Schiffsbewertung gestoppt hatten und Lloyd Fonds keinen täglichen Kurs mehr stellen konnte. „Zum Schutze des Fondsvermögens bleibt der Fonds vorerst geschlossen“, sagt Sprecherin Stefanie Martens.

Neben Lloyd Fonds hat auch Wölbern Invest einen offenen Schiffsfonds auf den Markt gebracht. Auch der ist zurzeit geschlossen. Beide Produkte richteten sich vor allem an institutionelle Anleger, doch auch Privatanleger zeichneten Anteile. Die in Luxemburg registrierten Fonds waren zwar nicht zum öffentlichen Vertrieb zugelassen. Banken und andere Vermittler durften sie aber an erfahrene Investoren verkaufen. Lloyd Fonds macht keine Angaben zur Zahl der Privatanleger bei dem Fonds. Bei Konkurrent Wölbern haben sie etwa ein Drittel des Kapitals aufgebracht, sagt Jan Hagemann von Wölbern Invest. Ein von der Deutschen Bank im April 2008 angekündigtes Zertifikat, das sich an der Wertentwicklung des LF Open Waters orientieren sollte, hat es nie auf den Markt geschafft.

Laut Hagemann wird der Wölbern-Fonds voraussichtlich in einigen Wochen wieder geöffnet. Für die Anleger sei die Schließung kein Problem. „Wer hier reingeht, hat einen mittleren bis langfristigen Anlagehorizont.“ Lloyd Fonds ist zurückhaltender: „Für die Öffnung des Fonds werden wir eine nachhaltige Markterholung abwarten“, sagt Sprecherin Martens. Das kann trotz der seit Kurzem zu beobachtenden leichten Erholung der Schifffahrtsmärkte (sieh Grafik) noch dauern. Anleger könnten ihre Anteile zurzeit nur im Rahmen eines Privatgeschäfts an Dritte veräußern, sagt Martens. Bisher sei das ihres Wissens aber noch nicht vorgekommen.

Das Portfolio des LF Open Waters umfasst neun Schiffe, vor allem Tanker, aber auch drei Containerschiffe. Gerade Letztere verdienen nicht genug für Zins und Tilgung. Zurzeit spricht Lloyd Fonds mit der HSH Nordbank über die Zukunft des Fonds. Die Situation erinnert an die Lage vieler geschlossener Schiffsfonds, bei denen Banken erst kompromissbereit sind, wenn die Anleger mehr Eigenkapital bereitstellen. Bei offenen Schiffsfonds gibt es aber keine Ausschüttungen, die der Initiator zurückfordern könnte. „Die Geschäftsführung arbeitet intensiv an einer Lösung, um dem Fonds weitere Liquidität zuführen zu können“, sagt Martens.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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