Deutsche Bank will die Vielehe

Auf der Suche nach neuen Versicherungspartnern hat das Geldhaus Gespräche mitAllianz und Talanx angestoßen

Von Herbert Fromme, Köln

Die Deutsche Bank hat das Auswahlverfahren für ihre künftigen Versicherungspartner begonnen. Die seit neun Jahren bestehende exklusive Kooperation mit der Zurich-Gruppe endet 2011. Nach FTD-Informationen aus Versicherungs- und Bankenkreisen hat Deutschlands größte Bank Allianz und Talanx zu Gesprächen eingeladen. Deutsche Bank und Allianz wollten nicht Stellung nehmen. Ein Talanx-Sprecher kommentierte mögliche Gespräche ebenfalls nicht. „Wenn die Deutsche Bank Partner für das Feld Bancassurance sucht, sind wir interessiert“, sagte er nur.

Für die Banken ist der Verkauf von Lebensversicherungen und anderen Policen über den Bankschalter ein lukratives Geschäft. Sie erhalten eine hohe Provision, müssen aber für die eingeworbenen Gelder kein Eigenkapital vorhalten. Für die Assekuranz wiederum wird der Vertriebskanal Bank immer wichtiger. Vor allem im Geschäft mit Einmalbeiträgen, das 2009 den Markt beherrschte, haben die Banken im Vertrieb die Nase vorn vor Vertretern und Maklern. Damit wird auch der Hebel von Banken im Zuge der Verhandlungen mit Versicherern über Kooperationen immer länger.

Branchenkreise halten es zwar für unwahrscheinlich, dass die Deutschbanker die Zusammenarbeit mit der Zurich ganz aufgeben. 2001 hatte Zurich die Investmentgruppe Scudder an die Deutsche Bank verkauft. Gegen eine radikale Trennung spricht auch, dass Bank-Chef Josef Ackermann künftig im Verwaltungsrat der Zurich sitzt. „Aber vieles deutet darauf hin, dass die Exklusivvereinbarung abgelöst wird durch Kooperationsverträge mit mehreren Versicherern“, sagte ein Insider. Kunden und Berater suchten mehr Vielfalt, als sie ein einzelner Produktgeber liefern kann. Bei der Zurich stammten 2009 53 Prozent des Neugeschäfts in der Lebensversicherung in Höhe von 446 Mio.Euro von der Deutschen Bank.

Die Anfrage der Deutschen Bank bei der Allianz ist besonders pikant: Deutschlands größter Versicherer hat bislang seine Policen über die Ex-Tochter Dresdner Bank verkauft. Im September 2010 löst die Allianz die Generali als Produktgeber bei der Commerzbank ab – dies war Teil des Deals, mit dem die Commerzbank der Allianz die Dresdner abgenommen hatte. Mit Talanx hat die Deutsche Bank bereits direkte Berührungspunkte: Die Hannoveraner betreiben gemeinsam mit der Postbank die PB Versicherung. An der Postbank hält die Deutsche Bank 25 Prozent und hat eine Option, 2012 die Mehrheit zu übernehmen. Talanx arbeitet auch mit der Targobank zusammen, der früheren Citibank. Die Talanx-Tochter Targo Versicherung ist vor allem im Bereich Restschuldversicherung erfolgreich.

Nicht im Gespräch mit der Deutschen Bank ist bislang die Generali, die händeringend einen Ersatz für den Partner Commerzbank sucht. „Alle großen Banken haben ihre festen Partner“, sagte Vorstandschef Dietmar Meister. Allerdings gibt es auch hier mögliche Verbindungen – an dem Finanzvertrieb DVAG ist die Generali mit 40 Prozent beteiligt. DVAG vertreibt auch Fonds der Deutschen Bank.

In der momentanen Marktverfassung können die Banken sich ihre Versicherungspartner aussuchen und weitgehend die Bedingungen diktieren. Exklusivvereinbarungen sind dabei auf dem Rückzug. Das gilt selbst für das Sparkassenlager – immer mehr einzelne Kassen vertreiben nicht nur Policen der großen eigenen Gesellschaften wie Provinzial, SV, VGH, sondern auch Verträge der Talanx-Tochter Neue Leben, der Signal Iduna oder der Axa. Die Axa hat nur mit der eher kleinen SEB eine exklusive Vereinbarung.

Die Genossenschaftsbanken arbeiten erfolgreich mit ihrem eigenen Versicherer R+V, dennoch haben zahlreiche Banken in Bayern zusätzlich Vereinbarungen mit der Allianz, die in Baden-Württemberg mit der Karlsruher, einer Tochter der Wüstenrot & Württembergischen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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