Munich Re scheut Aktien als Anlage

Rückversicherer lehnt mehr Engagement an der Börse ab · Konzern skeptisch für2010

Von Herbert Fromme, München

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re rechnet für 2010 mit einem sinkenden Gewinn, hält aber an seiner defensiven Gesamtstrategie fest. Er bleibt dennoch bei dem Ziel, im laufenden Jahr mehr als 2 Mrd. Euro zu verdienen – trotz Schäden von 400 Mio. Euro durch das Erdbeben in Chile und 100 Mio. Euro durch den Sturm „Xynthia“.

Für das Jahr 2009 hatte Munich Re bereits im Februar einen Gewinn von 2,6 Mrd. Euro gemeldet, deutlich über den 1,6 Mrd. Euro des Krisenjahres 2008. Die Aktie legte gestern um 1,4 Prozent auf 117,90Euro zu.

Konzernchef Nikolaus von Bomhard sagte gestern in München, der Konzern halte an seiner Strategie fest: Vorsicht bei Kapitalanlagen und Festhalten an risikoadäquaten Preisen im Kerngeschäft Versicherung und Rückversicherung.

Munich Re hatte Ende 2008 mit höheren Preisen in der Rückversicherung gerechnet sowie mit dem Fortdauern der Probleme am Aktienmarkt. Mit beiden Erwartungen lag die Gesellschaft daneben.

Mit einer Aktienquote von nur 2,8 Prozent der Kapitalanlagen hält Munich Re weniger als Konkurrenten – und hat daher die Aktienrally 2009 weitgehend verpasst. Rivalen verdienen dagegen mehr mit ihren Kapitalanlagen und haben damit den Spielraum, Munich Re bei den Preisen in der Rückversicherung unter Druck zu setzen. Von Bomhard sagte, solche Trends gebe es, dennoch sei das Vorgehen richtig.

Auf die Frage, was passieren müsse, damit Munich Re die Strategie ändere, sagte von Bomhard: „Man müsste mich absetzen.“ Finanzinvestor Warren Buffett hätte sich nicht bei dem Dax-Konzern eingekauft, wenn er diese Politik nicht billige. Buffett hält mehr als fünf Prozent und kann eine Option für weitere zwei Prozent ziehen.

Finanzchef Jörg Schneider sagte, er könne sich eine Aktienquote von etwas mehr als fünf Prozent vorstellen – und deutlich mehr nur dann, wenn Munich Re mehr langfristige Verpflichtungen als heute hätte.

Auch wenn der Gewinn niedriger ausfallen sollte, müsse 2010 kein schlechtes Jahr werden, sagte von Bomhard. Der Vergleich absoluter Zahlen bringe wenig. „Kein Investor kann erwarten, dass er 2010 dasselbe bekommt wie 2009, wenn die Zinsen sinken“, sagte er. 2010 werde kein schlechteres, es werde ein „anderes Jahr mit einem anderen Risiko-Ertrag-Profil.“

Das Segment Erstversicherung – vor allem der Ergo-Konzern in Düsseldorf – wird sein Ergebnis 2010 dagegen deutlich verbessern können, sagte von Bomhard. Hier verdiente Munich Re 2009 nur 375 Mio. Euro nach noch dürftigeren 156 Mio. Euro im Jahr 2008. In der Rückversicherung werde es dagegen sehr schwer, in die Nähe des Vorjahresergebnisses zu kommen, das zum Teil durch realisierte Gewinne auf der Kapitalanlageseite getrieben war.

Mittelfristig setzt Munich Re große Erwartungen in die neuen Eigenkapitalstandards Solvency II, die auf EU-Ebene kommen. Sie werden den Bedarf der Erstversicherer nach Rückdeckungen bei starken Gesellschaften steigern.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit