Ende der Verschwiegenheit

Privatplatzierungen sind noch eine der wenigen Möglichkeiten, Geld fürSchiffsfonds zu bekommen. Dafür verzichten Anbieter auf Exklusivität

Von Patrick Hagen

und Katrin Berkenkopf

Früher fand das Geschäft vor allem im Verborgenen statt. Jetzt werben Initiatoren ganz offen mit exklusiven Schiffsbeteiligungen für sehr wohlhabende Anleger, sogenannte Private Placements.

Privatplatzierungen gibt es, seit Anleger sich an Schiffsfinanzierungen beteiligen können. Sie funktionieren wie normale Schiffsfonds, allerdings sind die Anlagesummen deutlich höher und die Zahl der Beteiligten kleiner. Die neue Offenheit bei Private Placements hat einen einfachen Grund: Auf dem öffentlichen Anlegermarkt ist für die Anbieter von Schiffsfonds derzeit wenig zu holen, deshalb suchen Reeder und Emissionshäuser nach Alternativen. „Eine der wenigen Möglichkeiten, die sich heute noch zur Schiffsfinanzierung bieten, sind Private Placements. Und die werden zunehmend genutzt“, sagt der Branchenexperte Jürgen Dobert. „Es ist ein Weg ist, um überhaupt noch Kapital für Schiffe zu generieren“, bestätigt Markus Lange, geschäftsführender Gesellschafter der Reederei Vogemann. Das Unternehmen finanzierte im vergangenen Jahr den Ankauf von zwei kleineren Massengutschiffen mithilfe von Privatplatzierungen. Vogemann sammelte rund 6 Mio. Euro je Schiff ein, aufgebracht von jeweils rund 25 Anlegern. Das größte Einzelinvestment lag bei 2 Mio. Euro. Innerhalb weniger Tage war das Projekt platziert. Das ist für Reeder und Emissionshäuser einer der größten Pluspunkte von Private Placements – sie kommen schnell an Geld. Denn Vorfinanzierungen der gesamten Kaufsumme, wie früher bei solchen Deals üblich, sind von den Banken nicht mehr zu bekommen.

Die Not der Initiatoren, ihre Projekte zu finanzieren, trägt dazu bei, dass Privatplatzierungen ihren exklusiven Charakter verlieren. Immer öfter gibt es Privatplatzierungen mit Verkaufsprospekt. „Echte Private Placements benötigen in der Regel gar keinen von der Finanzaufsicht BaFin geprüften Prospekt, weil nicht mehr als 20 Anleger zugelassen werden und jede Einzelbeteiligung mindestens 200 000 Euro beträgt“, sagt Experte Dobert. Mittlerweile werden Angebote für den Einstieg bereits ab 50 000 Euro offeriert.

Solche Dumpingangebote sind aber noch die Ausnahme. Nicht selten kommen die Investoren aus dem persönlichen Umfeld der Manager in Reedereien oder Emissionshäusern. Das erschwert es den Initiatoren, überteuert eingekaufte Schiffe als Private Placement unterzubringen. „Gerade wenn man sich an seinen Bekanntenkreis wendet, muss es sich um ein wirklich gutes Investment handeln, will man nicht sein Netzwerk beschädigen“, sagt Johann Killinger, Geschäftsführer beim Emissionshaus Buss Capital, das zurzeit Geld für ein gebrauchtes Containerschiff sammelt. Deshalb sei es auch unerlässlich, dass sich Reederei und Emissionshaus selbst mit einem erheblichen Beitrag an dem Projekt beteiligen. Andererseits gingen in der Vergangenheit auch immer wieder besonders günstige Schiffe in die Privatplatzierung, weil die Reeder am Erfolg teilhaben wollten und Bekannte einluden, sich zu beteiligen, betont Experte Dobert.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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