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Versicherer werben mit Kurzfristanlagen gegen Einmalbetrag und machen so denBanken Konkurrenz

VON Friederike Krieger

Ob Erbschaft oder ausgezahlte Lebensversicherung – oft kommen Menschen auf einen Schlag zu viel Geld. Und um dieses buhlen derzeit die Versicherer ganz intensiv. Sie locken Kunden, die große Geldsummen anlegen wollen, mit Angeboten mit kurzer Laufzeit. Und die Offerten sind zum Teil besser als die der Banken.

„Klassische Lebensversicherungen gegen laufenden Beitrag verkaufen sich nicht sonderlich gut“, sagt Hans-Ludger Sandkühler, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands mittelständischer Versicherungs- und Finanzmakler. Wegen der Krise scheuen die Kunden sich, sich langfristig zu binden. Um trotzdem das Geld in die Kassen zu bekommen, setzen die Gesellschaften vermehrt auf Einmalbeiträge. Das Neugeschäft in diesem Bereich ist 2009 um 60 Prozent auf 21 Mrd. Euro gestiegen. „In der Mehrzahl sind das keine Versicherungen mit langen Laufzeiten, sondern bankähnliche Produkte“, sagt Sandkühler.

Vermittelt wird das Geschäft oft über Banken, mit denen die Versicherer zusammenarbeiten. Bei der Provinzial Rheinland kommen 90 Prozent des Einmalgeschäfts von den Sparkassen, denen die Provinzial zu zwei Dritteln gehört. Auch Direktversicherer werben mit Festgeldangeboten. Ergo Direkt, die frühere KarstadtQuelle Versicherung, bietet Kunden zwei Prozent Jahreszinsen, wenn sie das Geld einen Monat lang bei dem Versicherer anlegen. Bei einer Laufzeit von sechs Monaten erhöht sich der Zins auf 2,5 Prozent und bei einem Jahr auf drei Prozent. Gebühren fallen keine an.

Beim „Tagesgeld Plus“ von Cosmos Direkt können Kunden jederzeit Geld vom Konto nehmen. Die Zinsen betragen 2,1 Prozent und sind für ein Quartal garantiert. Sparer müssen mindestens 5000 Euro anlegen. „Tagesgeld Plus ist als Einstiegsprodukt in die private Altersvorsorge gedacht“, sagt ein Sprecher.

Wenn die Laufzeit der Anlage mit den Wünschen des Kunden übereinstimmt, spreche nichts dagegen, ein Festgeldangebot von einem Versicherer in Anspruch zu nehmen, sagt Sandkühler: „Die Versicherer bieten oft noch einen Schnaps mehr Rendite als die Banken.“ Kritiker werfen den Gesellschaften vor, dass die Bestandskunden die vergleichsweise hohen Zinsen der Angebote subventionieren.

Die Allianz, die ein sogenanntes Parkdepot im Angebot hat, weist darauf hin, dass sie mit 1,5 Prozent weniger Zinsen bietet, als sie selbst am Kapitalmarkt erwirtschaftet. Im vergangenen Jahr entfielen bei dem Versicherer 30 Prozent der Einmalbeiträge in Höhe von 5,8 Mrd. Euro auf das Parkdepot. Der Versicherer bewerbe das Produkt aber nicht intensiv, sagt ein Allianz-Sprecher. Kunden, die größere Summen anlegen wollen, empfiehlt die Gesellschaft in erster Linie Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag, wahlweise mit sofortigem oder späterem Rentenbeginn. „Wir zahlen dem Kunden eine lebenslange Rente, egal wie alt er wird“, sagt der Sprecher. „Das kann nur ein Versicherer bieten.“

Das sieht auch Sandkühler so. Wer zu wenig Kapital hat, um allein von den Zinsen leben zu können, laufe Gefahr, dass ihm ohne Versicherung das Geld im Alter ausgeht. „Das gilt insbesondere, wenn wenig anderweitige Rentenansprüche bestehen“, sagt er.

Der Kunde muss allerdings schon sehr alt werden, um aus einer Rentenversicherung Profit zu schlagen, gibt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten zu bedenken. „Wer mit 65 Jahren in Rente geht, benötigt oft 20 Jahre, bis er die eingezahlten Beiträge überhaupt heraus hat“, erklärt er. Rudnik rät, die Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag genau zu vergleichen und auch Direktversicherer in die Auswahl einzubeziehen. Durch den schlanken Verwaltungsapparat und den Internetvertrieb seien die Kosten für die Police geringer. Das Argument, dass Direktversicherer keinen Ansprechpartner vor Ort bieten könnten, ziehe hier nicht. „Eine Rentenversicherung benötigt in der Regel keine intensive Betreuung“, sagt er. Stammt der Einmalbeitrag aus einer Lebensversicherung, sollte der Kunde auf jeden Fall bei seiner aktuellen Gesellschaft nach den Konditionen für eine Wiederanlage fragen. Die Angebote seien oft günstiger als die für Neukunden.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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