Wenns um Geld geht

Sparkassen-Töchter profitieren bei Refinanzierung

Von Friederike Krieger

Ein gutes Geschäftsergebnis sieht anders aus. Der Gewinn der Deutschen Leasing sank im Geschäftsjahr 2008/09 von 149 Mio. Euro auf 50 Mio.Euro, das Neugeschäft ging um acht Prozent auf 8,3 Mrd. Euro zurück. Auch für das laufende Jahr erwartet Vorstandschef Hans-Michael Heitmüller keine nennenswerten Wachstumsraten. Zufrieden ist er trotzdem. Der Leasinganbieter hat sich besser geschlagen als seine Wettbewerber, deren Neugeschäft – bezogen auf das Geschäftsjahr der Deutschen Leasing – um 29 Prozent einbrach.

Das Bad Homburger Unternehmen ist der zentrale Leasinganbieter der Sparkassen. Die Deutsche Leasing kauft Geräte wie Druckmaschinen sowie Fahrzeuge an und vermietet sie an Firmen. 1962 war der Konzern einer der Pioniere auf dem deutschen Markt, heute ist er der fünftgrößte Anbieter in Europa und Marktführer in Deutschland.

Die Zugehörigkeit zu den Sparkassen habe sich in der Krise als Wettbewerbsvorteil herausgestellt, berichtet Heitmüller. „Wir waren einer der ganz wenigen handlungsfähigen Leasinganbieter am Markt“, sagt er. Im Gegensatz zu Wettbewerbern musste das Unternehmen das Neugeschäft bisher nicht wegen Finanzierungsengpässen einschränken.

„Viele Gesellschaften klagen derzeit darüber, dass sie zu wenig Kapital haben, um Leasing anzubieten“, sagt Thomas Hartmann-Wendels, Direktor des Forschungsinstituts für Leasing an der Universität Köln. „Die Leasinggesellschaften der Sparkassen und Landesbanken haben es bei der Refinanzierung leichter.“ Die Deutsche Leasing profitiere zudem vom Vertrieb über die Sparkassen. Die Kreditinstitute haben 2009 Neugeschäft im Wert von 3,2 Mrd.Euro für das Unternehmen akquiriert.

Die Refinanzierungsbedingungen sind aber auch für die Deutsche Leasing nicht mehr so gut wie vor der Krise. Die Preise sind deutlich höher. Auch die Kreditlinien wurden abgesenkt. „Einige Sparkassen und Landesbanken haben sich aus der Refinanzierung von Leasing verabschiedet“, sagt Hartmann-Wendels. Dazu zählen etwa die Sparkasse Köln-Bonn und die HSH Nordbank.

Bewegung bei Landesbanken

Die Landesbank hat sich in der Krise verspekuliert. Mittelfristig will sie sich von ihrem 40-prozentigen Anteil an der Deutschen Anlagen-Leasing (DAL) trennen, die sich auf Immobilien und Transportmittel wie Schiffe, Eisenbahnen und Flugzeuge spezialisiert hat. „Wir führen derzeit Gespräche mit der Deutschen Leasing“, sagt HSH-Sprecherin Sandra Hülsmann. Das Unternehmen hält die restlichen 60 Prozent an der DAL.

Auch bei der kriselnden Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erwarten Experten einen Verkauf der Tochter Südleasing. Wegen umfangreicher Staatshilfen muss sich das Kreditinstitut auf Weisung der EU von Teilen trennen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Einen Verkauf des Leasinggeschäfts hält Experte Hartmann-Wendels indes nicht für die beste Idee. „Betriebswirtschaftlich ist das nicht sinnvoll“, sagt er: „Die Leasinganbieter bringen den Landesbanken hohe Erträge.“

Das gilt zumindest, wenn die Nachfrage hoch ist. Sie lässt allerdings vor allem im Firmenkundengeschäft zu wünschen übrig. Die Unternehmen halten sich wegen der Krise etwa beim Leasing von Fahrzeugflotten zurück. Die Deutsche Leasing weicht auf das Geschäft mit Privatkundenkrediten aus. Das Neugeschäft im Fahrzeugsegment konnte sie 2009 nur deshalb steigern, weil sie Sparkassen-Auto-Kredite verkaufte.

Gemeinsam mit der Landesbank Berlin (LBB) und der WestLB-Tochter Readybank will die Deutsche Leasing zudem eine Bank gründen, die von 2011 an zentral für die Sparkassen Kredite anbietet. Eine Kannibalisierung des Leasingangebots fürchtet das Unternehmen nicht. Das Kreditangebot beziehe sich auf Privatleute, sagt Deutsche-Leasing-Sprecher Carsten Lühr: „Wir verleasen aber fast nur an Firmenkunden.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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