Allianz gibt Kunden Geheimes preis

Industrie will Risiken ihrer Versicherer besser verstehen

Von Anja Krüger, Bonn

Die Industrieversicherungstochter der Allianz will Kunden mehr Einblick in die eigene Finanzstärke, die Kapitalanlagen und Kostenstrukturen geben. Damit reagiert die Gesellschaft auf Forderungen aus der Industrie nach mehr Transparenz. „Wir arbeiten daran“, sagte Klaus Przybyla, Vizedeutschlandchef der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) auf einer Tagung des Deutschen Versicherungs-Schutzverbands (DVS). Ein Konzept gibt es noch nicht. Man sei „in bilateralen Gesprächen“ zu mehr Offenheit bereit. Die AGCS ist einer der größten Industrieversicherer.

Der DVS vertritt die Interessen der Wirtschaft in Versicherungsfragen. Er repräsentiert Prämieneinnahmen in Höhe von schätzungsweise 20 Mrd. Euro. Die von der Industrie benötigten Deckungen laufen teilweise über Jahrzehnte, etwa bei Haftpflichtpolicen. Manche Schäden aufgrund von Produktmängeln werden erst lange nach der Markteinführung sichtbar. Fällt ein Versicherer aus, können bedrohliche Deckungslücken entstehen.

Die Beinahepleite des einstigen Giganten AIG hat die Alarmglocken bei den Einkäufern schrillen lassen. Sie dringen deshalb mit Nachdruck darauf, die Stabilität der Versicherer besser einschätzen zu können. Die Finanzkrise habe gezeigt, wie gravierend das Counterpartrisiko für die Unternehmen sei, sagte Stefan Sigulla, Vorsitzender des DVS und Versicherungseinkäufer von Siemens. „Wir müssen einschätzen können, wie es um die Leistungsfähigkeit des Versicherers auch in Zukunft bestellt ist.“

Die Einkäufer haben für ihre Forderung einen günstigen Moment gewählt: Die Versicherer sind angesichts der starken Konkurrenz und der niedrigen Preise bemüht um ihre Kunden. AGCS-Mann Przybyla gibt sich entsprechend aufgeschlossen. „Unser Verhältnis geht weit über Kaufen und Verkaufen hinaus“, sagte er. Der vertrauliche Austausch sensibler Daten müsse möglich sein. Auch Kenntnisse über die Anlagepolitik des Anbieters seien für den Kunden wichtig. „Das ist ein sensibles Thema, aber auch darüber muss gesprochen werden“, betonte er.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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