BDI zieht über Reeder her

Verband beklagt mangelnden Service und Unpünktlichkeit

Von Patrick Hagen, Köln

Die deutsche Wirtschaft liegt im Clinch mit den Linienreedereien. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) beklagt sich über unpünktliche Schiffe und schlechten Service. In einem Brief an den Verband Deutscher Reeder (VDR) beschwerte sich Dieter Schweer, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung: „Leider stellen die Mitgliedsverbände in den vergangenen Monaten verstärkt fest, dass Sendungen und Container nicht wie gebucht und bestätigt abgefahren werden“, heißt es in dem von ihm unterzeichneten Schreiben, das die FTD eingesehen hat. Weder BDI noch VDR wollten den Tadel kommentieren.

Linienreeder wie Hapag-Lloyd oder MSC transportieren einen Großteil der importierten oder exportierten Waren. Die Branche ist im vergangenen Jahr in eine schwere Krise geraten, worunter auch das Verhältnis zwischen Reedern und Wirtschaft stark gelitten hat: Linien hatten kurzfristig Dienste und Fahrpläne geändert. Als sich Anfang des Jahres die Ladungsmengen plötzlich erholten, zögerten sie, weitere Schiffe einzusetzen, und ließen Ware stehen.

Der BDI stört sich nun in erster Linie an dem sogenannten Slow Steaming – wenn die Linien das Tempo ihrer Schiffe drosseln. „Insbesondere die Maßnahme, durch Slow Steaming Brennstoff und Kosten zu reduzieren, führt offenbar zu beträchtlichen Verzögerungen während der Schiffsreise und damit zu erheblichen Nachteilen für die Verlader mit gravierenden Folgen für die Exportwirtschaft insgesamt“, schreibt Schweer.

Damit hat die Wirtschaft erstmals öffentlich Kritik an den langsamer fahrenden Schiffen geäußert. Von vielen Reedern wird Slow Steaming als Allheilmittel gegen Überkapazitäten gesehen. Denn um weiterhin die Fahrpläne einzuhalten, müssen sie zusätzliche Schiffe einsetzen. Außerdem sinken die Kosten für den Schiffsdiesel deutlich. Dazu kommt der niedrigere Schadstoffausstoß. Allerdings sind die Waren länger unterwegs – das bindet Kapital und kostet die Kundschaft Geld.

Die Reeder verteidigen ihre Maßnahmen: „Abweichungen von den Fahrplänen können vielfältige Gründe haben. Slow Steaming zählt jedoch grundsätzlich nicht dazu, denn absehbare längere Fahrzeiten werden in der Erstellung von Fahrplänen selbstverständlich berücksichtigt“, heißt es im Antwortschreiben des VDR.

Quelle: Financial Times Deutschland


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