Naturkatastrophen lasten auf Hannover Rück

Kosten durch Großschäden schnellen nach oben · Gewinn fällt dennoch höher alserwartet aus · Konzern behält seine Ziele für 2010 bei

Von Friederike Krieger, Köln

Naturkatastrophen wie das Erdbeben in Chile und der Wintersturm „Xynthia“ haben den weltweit viertgrößten Rückversicherer Hannover Rück schwer getroffen. Für Großschäden musste der Konzern im ersten Quartal 2010 rund 264 Mio. Euro zahlen, wie er gestern mitteilte – weit mehr als er erwartet hatte. Im Vorjahresquartal hatte die Großschadenbelastung nur bei rund 99 Mio. Euro gelegen.

Der Gewinn im ersten Quartal 2010 sank von 229 Mio. Euro auf 157 Mio. Euro. Analysten hatten allerdings mit einem stärkeren Rückgang gerechnet. Für das Gesamtjahr zeigte sich die Hannover Rück optimistisch und hielt an ihren Zielen fest. Sie peilt eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von mindestens 15 Prozent an sowie einen Jahresgewinn von rund 600 Mio. Euro.

Teuerster Einzelschaden war das Erdbeben in Chile mit 185 Mio. Euro. Die Schaden-Kosten-Quote in der Schadenrückversicherung verschlechterte sich von 95,0 Prozent auf 99,3 Prozent. Die Quote misst das Verhältnis von Schadenaufwand plus Vertriebs- und Verwaltungskosten zu Beitragseinnahmen.

Die Gewinnerwartungen der Analysten übertraf die Hannover Rück, indem sie nicht mehr benötigte Rückstellungen für Schäden früherer Jahre auflöste. „Das hat unsere Schaden-Kosten-Quote um elf Prozent und unser Quartalsergebnis um 140 Mio. Euro verbessert“, sagte Finanzchef Roland Vogel.

„Trotz einer Großschadenbelastung, die in diesem Quartal über unserem Erwartungswert lag, haben wir mit dem erzielten Ergebnis eine gute Grundlage geschaffen, um unser Gewinnziel für 2010 zu erreichen“, sagte Konzernchef Ulrich Wallin. Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Großschäden künftig im Rahmen halten. Die im Golf von Mexiko gesunkene Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“ wird nach Wallins Einschätzung das Gewinnziel nicht gefährden. Die Hannover Rück rechnet mit einer Belastung von 40 Mio. Euro.

Im Gegensatz zur Munich Re will sich die Hannover Rück nicht an einer Rettungsaktion für Griechenland beteiligen. Das Unternehmen sehe weder Anlass zur Erhöhung noch zur Reduzierung seines 35 Mio. Euro schweren Bestands an griechischen Staatsanleihen, sagte Finanzchef Vogel.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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