Ölkatastrophe wird kostspieliger

Versicherer rechnen mit einem der teuersten Fälle bei Tiefseebohrungen

Von Friederike Krieger, Köln

Die Explosion der Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko wird zu einem der teuersten Versicherungsfälle im Offshore-Energy-Bereich. Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re geht inzwischen von versicherten Schäden von bis zu 3,5 Mrd. $ aus. Für sich selbst rechnet der Rückversicherer mit einer Belastung von 200 Mio. $. Der weltweit größte Rückversicherer Munich Re hat seine Schätzung am Freitag nach oben korrigiert. Statt von einem hohen zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag geht er jetzt von einer Summe im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich aus. Nach Angaben des Konzerns entfallen davon rund 80 Mio. $ auf die Plattform. Der Besitzer Transocean hatte sie für 560 Mio. $ versichert und hat bereits eine erste Zahlung in Höhe von 401 Mio. $ erhalten.

Die Höhe des versicherten Haftpflichtschadens ist indes noch sehr unklar. „Es herrscht eine große Unsicherheit“, sagt Ingo Peters vom Versicherungsmakler Aon. „Niemand weiß, wie hoch der Schaden letztendlich sein wird und wer wie umfangreich dafür haftet.“

Der Ölkonzern BP, der die Plattform gemietet hat, hat sich zwar dazu verpflichtet, die Verantwortung für mögliche Verschmutzungen zu übernehmen. Doch als Haftende kommen auch andere Beteiligte wie die Firma Cameron International infrage. Sie baute die sogenannten Blow-out-Preventer der „Deepwater Horizon“, die verhindern sollten, dass es nach einem Gasaustritt zu einer Explosion kommt.

Familienangehörige der Arbeiter, die bei dem Unglück verletzt oder getötet wurden, haben das Unternehmen verklagt. Cameron könnte auch eine Mitschuld für die Umweltverschmutzung durch austretendes Öl angelastet werden.

Nach Informationen der Londoner Fachzeitung „Insurance Day“ hat die Firma eine Haftpflichtpolice von 500 Mio. $. 350 Mio $ davon sind über den Versicherungsmarkt in Bermuda abgesichert, der Rest in den USA. Die AIG-Tochter Chartis soll hier der führende Versicherer sein. „Sollte sich herausstellen, dass der Blow-out-Preventer nicht richtig gearbeitet hat, wird Cameron zur Kasse gebeten“, glaubt Peters.

„Der versicherte Schaden aus dem Untergang der „Deepwater Horizon“ wird einer der größten sein, den die globalen Versicherungsmärkte im Offshore-Energy-Bereich je gesehen haben“, sagt Robert Hartwig, Präsident des New Yorker Insurance Information Institute. Das Institut hält aber eher einen versicherten Schaden von 1,4 Mrd. $ für realistisch. BP sei gegen Haftpflichtschäden nicht versichert. „Diese Tatsache und die Möglichkeit, dass manche Beteiligten die Limits ihrer Policen erreichen, bedeuten, dass ein großer Teil der Schäden durch die Teilnehmer des „Deepwater Horizon“-Projekts selbst getragen werden müsste.“

Last für Munich Re 16

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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