Chef mahnt Sparkassenversicherer

Verbandsführer räumt Nachholbedarf ein · Interview mit FriedrichSchubring-Giese

Von Herbert Fromme, München

D ie zwölf regional arbeitenden Versicherer der Sparkassen haben wegen der Finanzkrise nach eigenem Bekunden die besten Voraussetzungen für deutliche Marktanteilsgewinne – sie nutzen diese Möglichkeiten aber nicht in vollem Umfang aus. „Wir sind heute erst bei jedem siebten Sparkassenkunden, da ist für uns viel Raum, um zu wachsen“, sagte Friedrich Schubring-Giese der FTD. Er ist Chef der Versicherungskammer Bayern (VKB) sowie des Verbands der öffentlichen Versicherer.

Seine Selbstkritik ist insofern bemerkenswert, als dass sich die Sparkassen-Gruppe gern als Krisengewinner darstellt, auf eigene Schwächen aber selten hinweist. Die Sparkassen hätten zwar an Vertrauen gewonnen, findet auch Schubring-Giese. Er warnt aber vor Selbstzufriedenheit. „Die Potenziale sind da, aber sie müssen auch gehoben werden“, sagte er mit Blick auf die Sparkassenorganisation und deren Versicherer. Es gebe erhebliche regionale Unterschiede – wie bei großen Konzernen auch.

Bei der Ausweitung des Geschäfts mit Sparkassenkunden sehen sich die Bayern vorn. Als Gründe nannte Schubring-Giese: gute Ausbildung der Mitarbeiter, einfache Angebote, eng verzahnte Informationstechnologie sowie die Nähe der Versicherer zu den Instituten.

Die bessere Nutzung der gruppeninternen Möglichkeiten hält Schubring-Giese für umso wichtiger, als die öffentlichen Gesellschaften bei den Sparkassen verschärft von externen Versicherern angegriffen würden. Sie dienten sich als Produktpartner an und wollten sich so einen Teil dieses lukrativen Vertriebswegs sichern.

Die Talanx-Tochter Neue Leben ist hier erfolgreich unterwegs, Generali, Signal Iduna und Axa suchen Verbindungen zu einzelnen Sparkassen. „Das ist normaler Wettbewerb“, sagte Schubring-Giese. „Die Sparkassen müssen klar sehen, dass sie sich selbst einen Wettbewerber ins Boot holen.“ Ein Externer beschränke sich nicht darauf, dem von der Sparkasse vermittelten Kunden nur Versicherungen anzubieten. „Die haben auch andere Produkte, und da spielen immer auch Bankangebote mit.“

Die öffentlichen Versicherer arbeiten regional, die VKB ist in Bayern, Berlin, im Saarland und in Rheinland-Pfalz tätig. Sie kam 2009 auf 6,3 Mrd. Euro Beitragseinnahmen. In Bayern ist sie Marktführer.

In den vergangenen Jahren gab es eine Reihe von Großfusionen im öffentlichen Lager, zum Beispiel zwischen den Provinzial-Gesellschaften in Münster und Kiel. Schubring-Giese setzt weiter auf ein Zusammengehen mit der SV-Versicherung in Stuttgart. „In diesen Fragen sind wir indirekt von der Landesbanken-Problematik betroffen“, räumte er ein. „Die Eigentümer aus dem Sparkassenlager wollen erst einmal die Belastungen aus der Landesbanken-Situation überblicken und vorher keine neuen Großprojekte beginnen.“

Den Verkauf einzelner Gesellschaften durch Sparkassen an private Versicherer hält er für „sehr unwahrscheinlich“. „Das wäre keine sinnvolle Konstruktion“, sagte Schubring-Giese. „Die Sparkassen müssten im Grunde einen Teil ihres eigenen Vertriebes mit verkaufen.“ Das sei nicht vorstellbar, höchstens, wenn es eine extreme Notsituation gebe. „Die sehe ich nicht.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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