Gothaer versichert lieber Firmen

Traditionsgesellschaft reduziert Privatkundenanteil

Von Herbert Fromme, Köln

Der Gothaer Konzern wird 2010 erstmals mehr Prämienvolumen mit Gewerbe und Industrie erzielen als mit Privatkunden. Der vor 190 Jahren gegründete Versicherungsverein hält sich vor allem in der Autoversicherung zurück, weil die Preise nicht hoch genug seien, sagte Vorstandschef Werner Görg gestern. Der Konzern versicherte Ende 2009 rund 1,5 Millionen Fahrzeuge, 5400 weniger als 2008.

Das Gewerbe- und Industriesegment baut Görg dagegen systematisch aus. Das gelingt gerade in der Nische „Regenerative Energien“ gut. Hier buchte die Gruppe 2009 38 Mio. Euro Prämie, nach 35 Mio. Euro im Vorjahr. „Wachstumsträger sind Spanien und Frankreich, wo wir der Marktführer bei Windenergieanlagen sind“, sagte Görg. Offshore-Windanlagen versichert der Konzern bislang nicht. Die Probleme im Golf von Mexiko zeigten die Risiken von Anlagen auf hoher See. Görg gestand ein, dass es Druck von Großkunden gebe, die ihre Anlagen an Land bei der Gothaer versichern und im Gegenzug Deckung auf See erwarten. „Wir tasten uns da ran.“

In der Lebensversicherung erwartet der Konzern starkes Wachstum aus der betrieblichen Altersversorgung und Policen für Freiberufler und Selbstständige.

Der Vertrag zur Übernahme der polnischen Gesellschaft Polskie Towarzystwo Ubezpieczen soll im Juli unterzeichnet werden. Vollzogen werde der Deal nach Genehmigung der Kartellbehörden und der Versicherungsaufsicht im Oktober.

Die Kapitalanlagen stiegen von 21,45 Mrd. Euro auf 22,59 Mrd. Euro. Vorstand Jürgen Meisch sagte, die Gothaer investiere kurzfristiger als andere Gesellschaften, weil sie mit einem Anspringen der Inflation und entsprechend höheren Zinsen rechne. Die Nettoverzinsung lag mit 3,5 Prozent unter den 4,1 Prozent des Vorjahres und den 4,2 Prozent des Branchenschnitts. Meisch erklärte das mit Einmaleffekten. So habe der Konzern „aus Sicherheitsgründen“ Angebote vor allem von Banken angenommen, Anleihen zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen. Die Gothaer bleibe dabei, kaum in Aktien zu investieren, stattdessen aber stark in Unternehmensanleihen und Immobilien.

Der Konzern steigerte seine Beitragseinnahmen von 3,96 Mrd.Euro 2008 auf 4,19 Mrd. Euro 2009. Der Gewinn stieg von 62 Mio. Euro auf 75 Mio. Euro. Die Gothaer verstärkte die Schadensreserven deutlich.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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