Niedrigzinsen und „Xynthia“ belasten Talanx

Versicherer geht frühestens im Herbst 2011 an die Börse

Von Herbert Fromme, Hannover

D eutschlands drittgrößter Versicherungskonzern Talanx hat für 2009 ein Rekordergebnis vorgelegt, erwartet aber für das laufende Jahr eine deutliche Abschwächung. Die niedrigen Zinsen sowie Großschäden wie das Erdbeben in Chile und der Sturm „Xynthia“ belasten das Unternehmen. Zu Talanx gehören HDI-Gerling und Hannover Rück.

„2009 war sonnig, 2010 wird bedeckter sein“, sagte Konzernchef Herbert Haas gestern. 2009 erzielte Talanx einen Rekordgewinn von 526 Mio. Euro, nach nur 183 Mio. Euro im Krisenjahr 2008. Sollte der Konzern 2010 eine Eigenkapitalrendite von zehn Prozent erreichen, wäre das ein „außerordentlicher Erfolg“. Das entspräche rund 400 Mio. Euro.

Zum Dauerbrenner wird der erstmals im Dezember 1997 als Ziel genannte Börsengang: Ihn will der von einem Versicherungsverein geführte Konzern frühestens im dritten Quartal 2011 angehen. An der Börse würden Versicherer heute viel zu niedrig bewertet, sagte Haas.

Offenbar muss das Unternehmen aber vorher noch ein Problem lösen. Während das Inlandsgeschäft mit der Industrie gut läuft, hakt es bei den Privat- und Firmenkunden gewaltig. Hinzu kommt: Die Kosten sind zu hoch. Der zuständige Vorstand Heinz-Peter Roß rechnete vor, dass seine Gruppe um vier Punkte über dem Branchensatz von 24 Prozent der Beiträge liege. Roß ist seit 2009 bei Talanx und hat sich seitdem eine neue Mannschaft mit Managern aus Allianz, Generali und MLP zusammengestellt, die es nun richten soll. „Die Kostenreduktion führt dazu, dass wir weniger Arbeitsplätze haben werden“, sagte Konzernchef Haas im Ausblick.

Der Konzern steigerte seine Prämieneinnahmen 2009 um zehn Prozent auf 20,9 Mrd. Euro. Der Zuwachs kam ausschließlich aus der Rückversicherung, wo Talanx ein bedeutendes US-Portfolio übernommen hatte. Im Geschäft mit Endkunden verlor die Gruppe im Inland dagegen an Umsatz und Kunden.

Die Staatsanleihen „aus den Olivenstaaten und Irland“ bezifferte Haas mit 1,3 Mrd. Euro oder 1,9 Prozent der Kapitalanlagen, davon kommen 139 Mio. Euro aus Griechenland. Er distanzierte sich von der Hilfsaktion von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Ihn habe erstaunt, von einem Hilfsbeitrag der Assekuranz aus der Zeitung zu erfahren. „Ich habe Herrn Ackermann mitgeteilt, dass er uns bitte von der Liste streichen möge.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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