Allianz krallt sich in China fest

Niederlassung wird in Tochter umgewandelt · Staatliche Konzerne dominierenden Wachstumsmarkt

Von Friederike Krieger, Köln

Die Allianz hat eine wichtige Hürde beim Ausbau ihres Chinageschäfts genommen. Der Konzern hat die Zweigniederlassung in der Provinz Guangdong in eine Tochtergesellschaft umgewandelt. Die chinesische Versicherungsaufsicht hatte vor Kurzem die Genehmigung dazu erteilt. Das sagte Heinz Dollberg, Leiter der Asienabteilung.

Nur nach der Umwandlung kann die Gesellschaft die geplante Expansion in der Schaden- und Unfallversicherung (Gebäude-, Haftpflichtrisiken) in Angriff nehmen. Denn die Zweigniederlassung durfte zwar Policen verkaufen, im Gegensatz zu einer Tochtergesellschaft aber keine weiteren Standorte gründen. „Wir planen jetzt, eine zweite Niederlassung in Schanghai zu errichten“, sagte er.

Die großen Versicherungskonzerne stammen aus Ländern, in denen die Märkte weitgehend gesättigt sind. Deshalb suchen sie in Schwellenländern nach neuen Geschäftsfeldern. China hat den siebtgrößten Versicherungsmarkt. 2009 nahm die Branche dort nach Angaben der Swiss Re 163 Mrd. Dollar (130 Mrd. Euro) Prämien ein – 16 Prozent mehr als im Vorjahr, während der Markt in Europa stagniert. Vor allem die Lebensversicherung erfreut sich in China großer Beliebtheit. Deren Prämieneinnahmen stiegen 2009 um fast 14 Prozent auf 109 Mrd. Dollar. Die Schaden- und Unfallversicherung verzeichnete mit 54 Mrd. Dollar ein Wachstum von fast 20 Prozent.

Allerdings beherrschen die staatlichen Konzerne immer noch zwei Drittel des Marktes. In der Lebensversicherung sind nur Gemeinschaftsunternehmen mit lokalen Versicherern erlaubt, an denen die Ausländer maximal 50 Prozent halten dürfen. Auch in der Schaden- und Unfallversicherung gibt es Hürden. Zwar darf ein Ausländer 100 Prozent besitzen. „Aber ein inländischer Versicherer kann für das gesamte Land eine Lizenz bekommen, eine ausländische Gesellschaft muss sich für jede Provinz gesondert bewerben“, sagte Allianz-Manager Dollberg. Es sind maximal zwei neue Niederlassungen im Jahr erlaubt. Um den neuen Standort in Schanghai zu gründen, muss die Allianz sechs Monate warten. „Wir können in China nicht so schnell wachsen wie in Indien oder Malaysia“, sagt Dollberg. Die 2003 gegründete Allianz Insurance Company Guangzhou Branch, die in der Provinz Guangdong aktiv ist, nahm 2009 bescheidene 290 Mio. Yuan (34 Mio. Euro) Prämie ein.

Der Wettbewerbsdruck ist hoch, die Gesellschaften liefern sich einen harten Preiskampf – und mancher wirft das Handtuch. Der Marktanteil der ausländischen Versicherer ist von neun Prozent 2005 auf jetzt fünf Prozent abgesunken. „Einige ausländische Versicherer sind vorsichtiger geworden“, sagte Steven Chang von der Munich Re, die als erste Gesellschaft 2003 eine Lizenz für alle Sparten der Rückversicherung erhalten hat.

Der Konzern will die Rückdeckungen für Naturkatastrophen ausbauen. „Wir sind schon an einigen Programmen beteiligt, aber die Versicherungsdichte ist bisher noch nicht sonderlich hoch“, sagte Chang. Das will die Regierung jetzt ändern. Sie plant, einen Versicherungspool gegen Gefahren wie Erdbeben einzurichten. „Wir würden den von der chinesischen Versicherungsaufsicht initiierten Pool unterstützen“, sagte er.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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