Allianz Kranken guckt beim Neugeschäft in die Röhre

Gesellschaft hat Alttarife nicht angepasst

Von Herbert Fromme, Köln

Die Allianz Private Krankenversicherung (APKV) steht nach Informationen aus Branchenkreisen ohne funktionierenden Neugeschäftstarif in der Vollversicherung da. Der Grund: Die Versicherung hat Altangebote außerhalb ihrer umstrittenen und nunmehr gerichtlich monierten Aktimed-Versicherungen nicht an die seit der Gesundheitsreform 2009 geltende Gesetzeslage angepasst.

Als Folge kann das Unternehmen, immerhin Deutschlands drittgrößter privater Krankenversicherer, mehrere Monate kein Neugeschäft abschließen – in einer Zeit, in der die Branche überraschend positive Abschlusszahlen verbucht.

Die Allianz Private Krankenversicherung hatte im Februar 2007 die Aktimed-Tarife auf den Markt gebracht und Alttarife geschlossen. Der Grundpreis bei Aktimed war 20 Prozent niedriger als bei den Alttarifen, weil er von gesunden Kunden ausgeht – entsprechend positiv wirkte der Tarif im Wettbewerb. Jedoch verlangte die Allianz bei 38 Prozent aller Kunden nach Abschluss Risikozuschläge wegen Erkrankungen – bei ihren alten Verträgen waren das nur zehn Prozent.

Von Altkunden, die nach dem allgemeinen Wechselrecht innerhalb des Unternehmens zu Aktimed wechseln wollten, forderte die Allianz einen „Tarifstrukturzuschlag“. Das sah die Finanzaufsicht BaFin als Bruch des gesetzlich verankerten Wechselrechts. Die Allianz klagte – und verlor im Juni in letzter Instanz. Die Allianz zog die unter Mitarbeit des Kölner Mathematik-Professors und PKV-Experten Jürgen Weyer errechneten Aktimed-Tarife deshalb aus dem Neugeschäft zurück. Alternativen hat sie nicht.

Ein Sprecher des Unternehmens wollte zur Nichtanpassung der Alttarife keine Stellung nehmen. „Wir werden zeitnah mit neu kalkulierten Tarifen, die das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts berücksichtigen, wieder auf dem Markt sein“, sagte er nur.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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