Ecclesia geht in neuen Weltverbund

Kirchlicher Makler macht Aon und Marsh Konkurrenz

Von Herbert Fromme, Köln

Der Detmolder Versicherungsmakler Ecclesia hat sich einem neuen globalen Verbund angeschlossen. Künftig gehört das Unternehmen zum neu formierten JLT International Network. Ecclesia wird die lockere Partnerschaft Eos Risq verlassen.

JLT steht für den größten Teilnehmer der Kooperation, die britische Jardine Lloyd Thompson Group (JLT). Mit 536 Mio. Pfund Umsatz und 6200 Mitarbeitern gehört JLT zu den fünf größten britischen Maklern, er ist in 35 Ländern aktiv. Die weiteren Partner sind neben JLT das Pariser Unternehmen Siaci St. Honoré und die Wiener Greco-Gruppe, an der Ecclesia bereits mit 13,33 Prozent beteiligt ist.

Das neue Netz heizt die ohnehin scharfe Konkurrenz unter den großen Maklern weiter an. Vor allem die globalen Marktführer Aon, Marsh und Willis leiden unter dem Rückgang der Preise in der Industrieversicherung, der zu niedrigeren Provisionseinnahmen und Gewinneinbrüchen führt.

Im Schatten der globalen Megabroker sind regionale Unternehmen stark gewachsen. Sie haben vor allem beim industriellen Mittelstand Erfolg. Ecclesia ist nach Aon inzwischen Deutschlands zweitgrößter Versicherungsmakler: 2009 kam das Unternehmen mit 1200 Mitarbeitern auf einen Provisions- und Honorarumsatz von 142 Mio. Euro. Die Firma gehört indirekt den beiden großen Kirchen und ist aus der Absicherung von Krankenhäusern und Sozialeinrichtungen entstanden.

Nach zahlreichen Übernahmen, unter anderem der Daimler-Maklertochter, geht das Geschäft weit über diesen Rahmen hinaus. Im neuen Verbund wollen die Detmolder Kunden verbesserten Zugang zu internationalen Märkten geben. Der Werkzeugmaschinenbauer aus dem Schwäbischen braucht Schutz, wenn er Maschinen in Brasilien aufbaut oder eine Tochter in Indien gründet. „Unser neuer JLT-Verbund ist in 130 Länder vertreten“, sagte Manfred Klocke aus der Ecclesia-Geschäftsführung.

Der britsche Anbieter JLT gab zudem gestern bekannt, dass die Firma 20 Prozent des Wiener Maklers Greco für 17,6 Mio. Euro gekauft hat. Er hat 625 Mitarbeiter, gemeinsam mit Ecclesia ist Greco in 15 osteuropäischen Märkten unterwegs.

Allerdings muss das Netzwerk aus unabhängigen Unternehmen noch beweisen, dass es ähnlich schlagkräftig ist wie die einheitlichen Firmen Aon oder Marsh. Nach Angaben von Ecclesia-Geschäftsführer Norbert Noehrbass sei das Modell sehr viel enger als herkömmliche Maklernetzwerke, die oft scheitern.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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