HSH will nicht länger Erster sein

Kaum Neugeschäft in der Schiffsfinanzierung · Norddeutsche Landesbank dient sich Chinesen an

Von Patrick Hagen, Hamburg

Die HSH Nordbank gibt ihre Rolle als Weltmarktführer in der Schiffsfinanzierung auf. „Wir werden sicherlich unter den top fünf bleiben, aber Marktführer zu bleiben ist nicht unser Ziel“, sagte Vorstand Torsten Temp am Mittwochabend. Der Ex-Unicredit-Banker ist seit Anfang Mai bei der HSH, mit einem Kreditvolumen von rund 30 Mrd. Euro der weltgrößte Marktteilnehmer bei der Finanzierung von Frachtern. Nummer zwei ist die Commerzbank-Tochter Deutsche Schiffsbank.

Doch seit der Krise findet das Neugeschäft in der Schiffsfinanzierung bei der HSH nicht mehr statt. Dazu seien weder die Kapazitäten noch der bilanzielle Freiraum vorhanden, sagte Temp. Verlängerungen von Altkrediten machen rund 3 Mrd. Euro pro Jahr aus. Künftig will die Bank auf ertragreiches Zusatzgeschäft schauen, das Reeder bringen. Die reine Schiffsfinanzierung sei zu margenschwach.

Temp erwartet, dass sich Banken aus China und anderen asiatischen Ländern stärker engagieren. Die chinesischen Banken wollen bislang aber nur Schiffe finanzieren, die auf einheimischen Werften gebaut werden, sagte er. Es werde noch eine Zeit dauern, bis sie in die Topliga vorstoßen.

Schneller könnte das über eine Beteiligung an der HSH gehen. HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher sagte der „FAZ“, es gebe strategische Interessen in China, sich an seinem Institut zu beteiligen, wenn Hamburg und Schleswig-Holstein Anteile abgeben müssen.

Die Landesbank wurde von der Schifffahrtskrise besonders hart getroffen, da sie vor allem Containerschiffe finanziert hatte, die in der Krise am meisten litten. Der Anteil der Containerschiffe im Kreditportfolio von Nonnenmachers Bank beträgt 41 Prozent.

Die HSH hatte außerdem stark auf das Geschäft mit geschlossenen Schiffsfonds gesetzt. Bei ihnen brachten Privatanleger das nötige Eigenkapital für ein Schiff auf, meistens rund 40 Prozent der Projektkosten. Die HSH finanzierte den Rest per Schiffshypothek. Seit der Krise fließt das Eigenkapital der Anleger nicht mehr, die Bank muss viele Schiffe komplett finanzieren.

Der Höhepunkt der Krise sei vorbei, sagte Temp. „Wir sehen, dass sich die Märkte schneller und stärker stabilisiert haben, als wir erwartet haben“, sagte er. Zwar gebe es Eintrübungen in den Segmenten Tanker und Massengutfrachter, den Bulkern. „Das macht uns aber nicht so große Sorgen.“ In diesen Märkten ist deutlich weniger über Schiffsfonds finanziert worden, und diese Reeder haben vor der Krise sehr gut verdient.

Trotzdem hält die HSH am Entschluss fest, Schiffskredite von 8 Mrd. Euro in ihrer Abbaubank zu halten, der sogenannten Restructuring Unit. „Wir haben den Kunden mitgeteilt, dass wir in Zukunft kein Geschäft mehr mit ihnen machen.“

Dazu gebe es keine Alternative. Die EU-Kommission hat der Bank zur Auflage gemacht, im Gegenzug für Staatshilfen ihre Bilanz zu halbieren. Die Abbaubank sorgt für Aufruhr in der Schifffahrt. Viele Reeder fürchten, dass die HSH nun Schiffe mit Zahlungsstörungen rasch verwerten will. „Das ist nicht unser Ziel“, entgegnete Temp.

Die HSH stehe zu ihren Verträgen. Die Verschiebung eines Kredits in die Abbaubank bedeute nur, dass sie kein weiteres Geschäft mehr mit diesen Kunden wünsche.

Ursprünglich waren Schiffskredite von 11 Mrd. Euro in der Abbaubank, die Summe ist durch Tilgung auf die 8 Mrd. Euro geschrumpft. Von den Schiffskrediten seien 25 Prozent in die Abbaubank gegangen – vergleichsweise wenig. Bei Immobilien seien es 50 Prozent.

Die Bank habe im zweiten Quartal ein „halbwegs gutes, im Plan liegendes“ Ergebnis eingefahren. „Dazu hat Shipping beigetragen“, sagte er. Einzelheiten will die HSH kommende Woche nennen. Die Bank insgesamt macht weiterhin Verluste. „Aber die Farbe des Rots wird langsam erträglicher.“

Im Segment Schifffahrt konnte die HSH ihre Risikovorsorge reduzieren, sie liegt jetzt unter 1 Mrd. Euro. Bis der Bereich wieder schwarze Zahlen schreibt, werde es aber noch dauern. „In den nächsten zwölf Monaten wird das Schiffsfinanzierungsgeschäft unter Berücksichtigung der Risikovorsorge nicht profitabel sein“, sagte Temp.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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