„Keine hohen Renditen“

Der Chef der Ratingagentur Assekurata Reiner Will glaubt, dass dieVersicherer die Überschussbeteiligungen ihrer Kunden kappen werdeninterview

FTD Hohe Garantien, geringe Zinsen. Wie lange halten das die Versicherer noch durch?

Reiner Will Das hängt von der weiteren Zinsentwicklung ab, aber auch von der Verzinsung, die die Versicherer in den Kapitalanlagebeständen haben. Derzeit streut diese marktweit zwischen vier und fünf Prozent, während die Garantiezinsverpflichtung im Schnitt bei 3,39 Prozent liegt. Versicherer, die einen höheren Durchschnittszins in ihren Kapitalanlagebeständen haben, sind besser gewappnet.

FTD Wie beeinflussen die niedrigen Zinsen die Verträge der Kunden?

Will Man muss damit rechnen, dass die Versicherer an der Überschussbeteiligungsschraube drehen und die laufende Verzinsung herabsetzen werden, wenn das Niedrigzinsumfeld so bleibt.

FTD Wie schützen sich die Gesellschaften dagegen?

Will Die Versicherer versuchen seit geraumer Zeit, einen höheren Zinssatz in ihr Portfolio zu bekommen. Zum einen setzen sie auf Papiere mit längeren Laufzeiten. Zum anderen können sie in Papiere mit höherem Risikoaufschlag investieren. Kapitalanleger zu sein, ist im Moment sicherlich nicht nur mit Spaß verbunden. Es gibt die hohen Renditen nicht mehr. Auch bei langfristigen Anlagen gibt es kaum mehr als drei Prozent. Bleibt nur das Hoffen auf eine Zinsumkehr – aber nicht zu schnell.

FTD Was würde denn bei einem rapiden Zinsanstieg passieren?

Will Die niedrig verzinsten Kapitalanlagen im Portfolio verlieren an Wert. Dadurch kann es zu Abschreibungsbedarf kommen. Umgekehrt entsteht eine Reserve, wenn der Zins fällt und ich höherverzinste Kapitalanlagen im Bestand habe. Lebensversicherer müssen ihre Kunden daran beteiligen. Das bringt sie in einem Niedrigzinsumfeld weiter unter Druck.

Interview: Friederike Krieger

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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