Weniger Schäden als 2002

Versicherer zahlen bei Hochwasser nur, wenn Kunden eine Elementardeckunghaben

Von Anja Krüger, Köln

Die Schäden durch die Flut in Sachsen und Brandenburg fallen für die Assekuranz nicht so hoch aus wie die infolge des Elbhochwassers von 2002. Zwar lägen noch keine Schadensschätzungen vor, sagte ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Aber es gibt Anhaltspunkte dafür, dass der Schaden niedriger ist.“ In den betroffenen Regionen lebten weniger Menschen als im Überflutungsgebiet von 2002. Das Hochwasser damals hatte Schäden in Höhe von rund 11 Mrd. Euro verursacht, davon waren 1,8 Mrd. Euro versichert.

„Die Lage ist nicht mit dem Hochwasser von 2002 zu vergleichen“, sagte auch ein Sprecher des Rückversicherers Munich Re. Die großen Rückversicherer übernehmen Risiken von Erstversicherern, die Policen an Privatleute und Unternehmen verkaufen. Weil sich bei ihnen Risiken bündeln, haben Rückversicherer einen guten Überblick über die Entwicklung von Schäden. Für die Versicherer sind die Kosten aus Überflutungen in Mitteleuropa aufgrund ihrer restriktiven Zeichnungspolitik verhältnismäßig gering. Auch bei der Oderflut im Jahr 1997 lagen volkswirtschaftlicher und versicherter Schaden erheblich auseinander. Der Gesamtschaden in Deutschland lag bei rund 330 Mio. Euro, der versicherte Schaden bei 32 Mio. Euro.

Für Flutschäden kommen die Gebäude- und Hausratversicherer auf. Allerdings reicht eine Standardpolice nicht. Die Assekuranz zahlt nur, wenn Kunden eine zusätzliche Elementardeckung für Schäden aus Naturgewalten wie Überflutung, Erdbeben oder Schneemassen haben. Dann reguliert der Versicherer den Schaden zum Neuwert. „Obwohl wir das aktiv anbieten, sind die Kunden sehr zurückhaltend“, sagte eine Sprecherin der Sparkassen-Versicherung Sachsen.

Allerdings haben Anwohner in Fluss- und anderen Hochrisikogebieten auch große Schwierigkeiten, den Schutz überhaupt zu bekommen. So hat nach Angaben des GDV nur jede vierte Gebäudeversicherung den Zusatz. In den neuen Bundesländern ist der Anteil aber höher, denn zu DDR-Zeiten abgeschlossene Policen haben automatisch den wichtigen Elementarschutz. Die DDR-Verträge übernommen hat der Versicherer Allianz. Er zahlte für die Flut 2002 deswegen rund 800 Mio. Euro.

Für Beschädigungen am Auto durch die Flut kommt die Teil- oder Vollkaskoversicherung auf. Auch hier ersetzen die Versicherer den Neuwert. Anders als bei einem Unfall müssen Kunden nach der Schadenregulierung nicht mit einer Erhöhung der Prämien rechnen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit