Zurich macht gegen Versicherungsbetrug mobil

Zentrale Abteilung soll 20 Mio. Euro einspielen

Von Friederike Krieger, Köln

Die Zurich Gruppe Deutschland hat in Köln eine zentrale Abteilung zur Bekämpfung von Versicherungsbetrug gegründet. Rund 50 Experten, die bisher in den Sparten des Konzerns verteilt waren, sollen dort künftig gemeinsam Betrugsfällen nachspüren – nach Angaben von Zurich ein Novum in Deutschland. „Erstmals in der deutschen Assekuranz haben wir ein zentrales Betrugsdezernat gegründet, welches für alle Bereiche des Unternehmens gleichzeitig zuständig ist“, sagt Rüdiger Hackhausen, Vorstand von Zurich.

Die Margen für deutsche Versicherer werden angesichts niedriger Preise und schwacher Kapitalerträge immer enger – da kommen einer rigiden Schadensregulierung und der Betrugsbekämpfung große Bedeutung zu.

Das geänderte Vorgehen der Täter habe die Neuausrichtung nötig gemacht, so der Versicherer. Die Betrüger melden denselben Schaden mehrfach: erst in der Kfz-Sparte und dann noch einmal in der Privathaftpflichtversicherung.

Die häufigsten Betrugsfälle finden ohnehin in der Privathaftpflicht statt. Ganz oben auf der Liste stehen von Versicherten angeblich zerstörte Brillen, Handys oder Laptops. Aber sogar in der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es kriminelle Täuschungen. Zurich will jährlich Schäden von rund 20 Mio. Euro abwenden.

Der Versicherer setzt auf „besondere Methoden zur Betrugsaufdeckung“. Nähere Auskünfte verweigerte er. Die meisten Versicherer arbeiten mit Datenbanken, in denen sie Auffälligkeiten sammeln und Problemfälle herausfiltern. „Zwei osteuropäische Nachnamen, ein Unfall nachts im Industriegebiet, das ist verdächtig“, nach diesem alten Schema arbeiteten Autoversicherer jahrelang. Aber es hat sich als zu ungenau herausgestellt. Heutige Systeme sind treffsicherer.

Englische Versicherer machen sogar über Twitter, Facebook und Myspace Jagd auf Betrüger. Die Übeltäter verabreden sich dort zu getürkten Unfällen und brüsten sich ihrer Taten – oder mit dem Karibik-Urlaub, während sie angeblich Unfallfolgen auskurieren.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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