Coface schafft S&P-Rating ab

Kreditversicherer verhindert Herabstufung · Schritt schmälert Glaubwürdigkeitals neuer Bonitätsprüfer

Von Herbert Fromme, Köln

Der französische Kreditversicherer und künftige Anbieter von Bonitätsnoten, Coface, ist einer drohenden Herabstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) zuvorgekommen. Wie S&P mitteilte, hat das Unternehmen die Agentur gebeten, sein Rating und das der Töchter zurückzuziehen. Der Schritt gilt auch für die Coface Kreditversicherung in Mainz. In Marktkreisen hieß es, Coface habe die Rückstufung von „A-“ auf „BBB+“ befürchten müssen. Sprecher des Unternehmens waren nicht erreichbar.

Der Rückzug des Kreditversicherers vom wichtigsten Rating für die Assekuranz ist pikant, weil Coface selbst ab Ende des Jahres als europäische Ratingagentur auftreten und so den Investoren frühzeitig Orientierung im Kapitalmarkt anbieten will – auch gerade dann, wenn sich die Kapitalstärke eines Unternehmens verschlechtert. Gleichzeitig werden die Franzosen, die für 2011 einen Börsengang planen, zum direkten Konkurrenten von S&P.

Als Anbieter von Bonitätsnoten will Coface im ersten Schritt Banken und sonstigen Interessenten 12 000 seiner internen Firmenbeurteilungen anbieten. Damit erhört die hundertprozentige Tochter der französischen Investmentbank Natixis die Rufe von Politikern und Notenbankern nach einer unabhängigen Ratingagentur. So hatte Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, dies gefordert, um eine Alternative zu den angelsächsischen Marktführern S&P, Moody’s und Fitch aufzubauen. Die drei waren in der Finanzkrise dafür kritisiert worden, dass sie komplizierte Wertpapiere, die später dann plötzlich wertlos waren, zu lange zu gut bewertet hätten.

S&P hatte Coface auf „Beobachtungsstatus mit negativen Implikationen“ gesetzt. Das bedeutet, dass die Agentur eine Neubewertung vornimmt und mit einer Verschlechterung des Ratings rechnet. Eine Beurteilung unterhalb von „A-“ ist für viele industrielle Versicherungskunden nicht akzeptabel – sie fürchten, bei Großschäden von einem schwachbrüstigen Versicherer ihr Geld nicht zu bekommen.

Kreditversicherer decken Unternehmen für den Fall ab, dass Kunden zwischen Erhalt der Lieferung und Zahlung insolvent werden. Dafür sammeln sie Unterlagen über Hunderttausende von Firmen. Die Spezialisten waren in der Finanzkrise unter Beschuss von Industrieverbänden geraten, weil sie angeblich durch eine restriktive Deckungspolitik die Krise verschärften.

Tatsächlich litten die Gesellschaften in der Krise unter hohen Belastungen durch den scharfen Anstieg der Insolvenzzahlen. Coface ist hinter der Allianz-Tochter Euler-Hermes und der spanisch-niederländischen Atradius die Nummer drei im Weltmarkt. Die Gesellschaft verbuchte 2009 einen Verlust nach Steuern von 136 Mio. Euro, bei einem um 3,8 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro gestiegenen Umsatz. Das erste Halbjahr 2010 verlief deutlich besser: Coface verdiente 35 Mio. Euro.

Dennoch wollte S&P das Rating erneut herabstufen nach einer Rückstufung Ende Februar von „A“ auf „A-„. „Die Kreditsicherheit bleibt gut, hat sich aber in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert“, schrieb S&P-Analystin Marie-Aude Salinas. Die Marktposition sei stark, aber die Kapitalstärke verglichen mit dem Zustand bis 2007 schwach.

Allerdings haben die Modelle der Ratingagenturen generell ein Problem mit den Kreditversicherern, weil diese mit vergleichsweise wenig Kapital dreistellige Milliardenrisiken stemmen. Das Rating von Atradius liegt bei „A-„, Euler-Hermes profitiert mit „AA-“ von der Stärke der Allianz.

Quelle: Financial Times Deutschland


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