D&O-Anbieter durchleuchten Finanzbranche

Policen bleiben billig, aber nicht alle bekommen eine

Von Anja Krüger

Die Prämien in der Managerhaftpflichtversicherung bleiben günstig. „Es gibt keinen Trend zu einer Preissteigerung“, sagt Georg Bräuchle, Chef des Großmaklers Marsh. „Die Prämien stagnieren oder geben nach.“ Damit bleibt die von den Anbietern erhoffte Trendwende bei den Prämien weiter aus.

Mit der Directors and Officers Liability Insurance (D&O) versichern Unternehmen ihre Führungskräfte gegen Ansprüche, die nach einem beruflichen Fehler vom Arbeitgeber selbst oder von Dritten an sie gestellt werden können. Zu den großen Versicherern in dieser Sparte gehören Allianz, HDI-Gerling, der AIG Nachfolger Chartis, Chubb, Zurich und VOV. Ein Schaden kann sehr teuer werden. Für Fehler der Manager von EM.TV zahlten die Versicherer ACE und Chubb 57,5 Mio. Euro. Die Korruptionsaffäre von Siemens kostete Versicherer unter Führung der Allianz 100 Mio. Euro. Schätzungen über die Prämieneinnahmen der extrem verschwiegenen Branche bewegen sich zwischen 300 Mio. Euro und 500 Mio. Euro im Jahr.

Die Preise sinken seit Jahren, außer für das Führungspersonal von Banken und anderen Finanzinstituten. In diesem Bereich sind sie im Zuge der Krise stark gestiegen, denn die Versicherer fürchten, dass hier gewaltige Schäden entstehen. „Der Preis ist aber nicht das Problem, sondern der Kapazitätsengpass“, sagt Bräuchle. Die Lage für die Unternehmen ist sehr unterschiedlich. Manche erhalten Deckung zu vertretbaren Preisen, andere bekommen überhaupt keinen Vertrag. „Die Platzierung ist sehr aufwendig“, berichtet er. Denn die Versicherer schauen sehr genau hin, welche Risiken sie sich ins Haus holen. Sie wollen sehr viele Informationen. „Das ist fast schon eine Due Diligence“, sagt er.

Die Verträge müssen neuerdings eine Eigenbeteiligung des Managers für den Schadenfall vorsehen, die zehn Prozent des Schadens bis höchstens des Eineinhalbfachen der festen jährlichen Vergütung des Vorstands entspricht. Über die Frage, wie sich Entscheider dagegen versichern, ist ein Glaubenskrieg entbrannt. Die einen verkaufen Policen, die vom D&O-Vertrag des Unternehmens völlig unabhängig sind. Andere, etwa der Wiesbadener Versicherer R+V, schwören auf das sogenannte Anrechnungsmodell. Dabei kommen die Deckungssumme für die D&O-Police des Unternehmens und den Selbstbehalt aus einem Topf. Weil es sich um dieselbe Summe handelt, ist die Police preisgünstig, aber auch umstritten. Kritiker sehen Probleme mit der Compliance, weil ihrer Meinung nach der Arbeitgeber den Vertrag subventioniert. Der Manager muss die Selbstbehaltspolice aber selbst zahlen.

„Hinter diesem Glaubenskrieg steckt nicht nur Dogmatik, sondern auch ein ökonomisches Interesse“, sagt Christian Hinsch, Vorstandschef der Talanx-Tochter HDI-Gerling. Dabei gehe es nicht um die Prämie für den Vertrag. „Damit wird man nicht reich“, sagt er. Aber die D&O-Versicherer wollen nicht, dass die Konkurrenz in ihrem Revier wildert und Vorstände direkt anspricht.

HDI-Gerling setzt auf die separate Lösung, viele Makler ebenfalls. „Unsere Kunden entscheiden sich zu 90 Prozent für einen separaten Vertrag“, sagt Bräuchle. Die Manager fürchten, dass sie sich mit der anderen Lösung angreifbar machen. Beim Wettbewerber Aon ist es ähnlich. „Wir empfehlen das Anrechnungsmodell nicht“, sagt Marcel Roeder von Aon. Der Makler weist Kunden auf mögliche Compliance-Probleme hin. Einige entscheiden sich trotzdem dafür, weil es billiger ist.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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