Günstige Policen über den Betrieb

Das Belegschaftsgeschäft hilft, gute Mitarbeiter in der Firma zu halten

Von Anne-Christin Gröger

Mitarbeiter des Elektrotechnikherstellers Robert Bosch haben den direkten Zugang: Geht Zuhause die Mikrowelle kaputt, müssen sie nach Feierabend nicht noch ins Elektrogeschäft fahren. Stattdessen können sie in der Mittagspause im firmeneigenen Laden vorbeischauen und ein neues Gerät kaufen. Gibt die Spülmaschine den Geist auf, kommt der Bosch-eigene Techniker abends vorbei und verlangt keine Anfahrtskosten. Das ist praktisch und billiger als ein externer Fachmann.

Günstiger bekommen Konzernmitarbeiter nicht nur die Reparatur von Haushaltsgeräten. Über die Robert Bosch Versicherungsvermittlungs GmbH (RBVS) können sie auch preiswerte Versicherungen abschließen. Die Bandbreite reicht von der Krankenversicherung bis zur Privathaftpflicht – alles ist im Angebot.

Das Belegschaftsgeschäft ist bei vielen Großkonzernen beliebt. Mitarbeiter können sich über die Firma statt über Vertreter, Makler oder Internet versichern. „Damit wollen wir als Arbeitgeber für unsere Angestellten attraktiver werden und ihnen die Auswahl erleichtern“, sagt Henning Klinkenberg, der bei RBVS für das Belegschaftsgeschäft zuständig ist.

Die Firmen bieten die Verträge über spezielle Makler an, meistens Tochtergesellschaften. Beim Autohersteller VW ist das der VW Versicherungsdienst, bei der Lufthansa die Tochter Albatros, bei ABB die ABB Komposit.

Bei Bosch läuft das Geschäft gut. Das Unternehmen will sein Angebot ausweiten. Mehr als 50 000 Beschäftigte haben mindestens einen Vertrag über die RBVS abgeschlossen. „Unsere Vermittler vergleichen die Produkte, die im Markt vorhanden sind, und wählen die Angebote aus, die sie vom Preis-Leistungsverhältnis her als am besten einstufen“, sagt Klinkenberg.

Die RBVS arbeitet mit verschiedenen Versicherern zusammen. Bei Kfz-Verträgen ist das die VHV Versicherung, in der Haftpflicht sind es Alte Leipziger und Generali, und bei Kranken- und Krankenzusatzversicherungen Barmenia, DKV und Hallesche. Klinkenberg glaubt, dass dieses Geschäft allen Beteiligten Vorteile bringt. Der Konzern profitiert, weil Provisionen, die von den Versicherern fließen, im Haus bleiben. Zudem wirkt er attraktiver und kann gute Mitarbeiter leichter halten. „Gerade bei stark nachgefragten Berufen ist das ein wichtiges Kriterium“, sagt Jörg Klinkau von der Axa. Die Unternehmen wollen sich mit maßgeschneiderten Versicherungsangeboten im Kampf um rare Fachkräfte von Konkurrenten unterscheiden. „Die Angebote sind wichtig für Mitarbeitergewinnung und Motivation.“

Die Versicherer bekommen über das Belegschaftsgeschäft leichten Zugang zu einer großen Anzahl potenzieller Kunden. Dafür sind sie bereit, beim Preis nachzugeben. Zudem melden die über den Betrieb Versicherten weniger Schäden. Dazu trägt auch bei, dass es hier weniger Versicherungsbetrug gibt.

Kunden schließlich profitieren von günstigeren Konditionen. Und Anbieter von Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen verzichten mitunter auf eine umfassende Gesundheitsprüfung, wenn der Kunde in einem Gruppenvertrag über seinen Arbeitgeber abschließt.

Allerdings gibt es auch ein entscheidendes Problem für diesen Vertriebsweg: die Furcht der Mitarbeiter, dass der Chef bei Abschluss und Schaden mitliest. Die Personalabteilung könnte erfahren, dass ein Mitarbeiter den Hausrat mit 200 000 Euro versichert oder ein Autounfall unter Alkoholeinfluss zustande kam. Die firmenverbundenen Vermittler betonen, dass der Datenschutz funktioniert. Aber das Misstrauen vieler Mitarbeiter in diesem Punkt bleibt.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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