Munich Re will an Ölbohrungen verdienen

Rückversicherer sucht attraktive Geschäftsfelder

Von Herbert Fromme, Monte Carlo

Der Rückversicherer Munich Re hat der US-Regierung und der Ölindustrie eine neue Versicherung für See- und Tiefseebohrungen vorgeschlagen. Dabei würden Versicherungskonsortien und -pools bis zu 20 Mrd. Dollar (15,7 Mrd. Euro) pro Bohrung abdecken. Bislang sind in dieser Branche höchstens 3,5 Mrd. Dollar versichert – was immense Risiken birgt, da kleinere Gesellschaften die Folgen einer Ölpest selbst kaum finanziell schultern können. Die Risiken tragen dann im Katastrophenfall die Staaten. Der Schaden nach dem Feuer auf der Plattform „Deepwater Horizon“ liegt deutlich über 20 Mrd. Dollar.

Der weltgrößte Rückversicherer will für den geplanten Pool selbst Risiken bis 2 Mrd. Dollar übernehmen. „Damit bieten wir eine mehr als verdoppelte Kapazität“, sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek gestern beim globalen Rückversicherungstreffen in Monte Carlo.

Mit dem Vorschlag versucht Munich Re in einem der wenigen Bereiche des Kerngeschäfts zu wachsen, in dem die Preise noch steigen. Denn insgesamt ist die Marktentwicklung mau. Das Unternehmen muss froh sein, wenn es das als unzureichend angesehene Preisniveau von 2010 bei den Vertragserneuerungen für 2011 halten kann.

Die US-Administration und andere Regierungen haben es satt, nach Umweltkatastrophen aus der Ölbranche ruinierte Fischer oder Strandhotelbesitzer mit Staatsgeldern zu retten. Der Ölkonzern BP hatte sich gegen einen Großschaden wie bei der „Deepwater Horizon“ gar nicht versichert. Der Plan von Munich Re: Statt der Firmen soll jede Bohrung von der Planung bis zur Produktion versichert werden. Allein im Golf von Mexiko arbeiten Ölfirmen jährlich an 300 neuen Bohrungen. Vor allem aber möchte Jeworrek erreichen, dass die US-Regierung der Ölindustrie eine Zwangshaftpflichtversicherung für Bohrungen verordnet.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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