Versicherer wirbt Siemens-Manager ab

Der prominente Risikoexperte Stefan Sigulla wechselt in den Vorstand derTalanx-Tochter HDI-Gerling Industrie

Von Herbert Fromme, München

I n der Industrieversicherung kommt es nach Informationen der FTD zu einem spektakulären Seitenwechsel. Stefan Sigulla, Versicherungschef bei Siemens und einer der prominentesten Sprecher der Industrie in Assekuranzfragen, wird Vorstandsmitglied bei HDI-Gerling Industrie in Hannover. Das Unternehmen gehört zum Talanx-Konzern und sieht sich bei der Versicherung von deutschen Großkonzernen mit mehr als 1 Mrd. Euro Umsatz als Nummer eins im Markt. Im gesamten Industrie- und Gewerbegeschäft ist der Erzrivale Allianz größer. Keine der beteiligten Parteien wollte Stellung nehmen.

Die Personalie ist höchst ungewöhnlich – die seltenen Seitenwechsel in dem Geschäft finden zumeist in entgegengesetzter Richtung statt. Der Jurist Sigulla ist auch Vorsitzender des Deutschen Versicherungs-Schutzverbands (DVS), der zentralen Lobbyorganisation der deutschen Industrie in Versicherungsfragen. Er leitet heute den zweiten Tag einer großen Fachkonferenz seiner Organisation in München, an der mehr als 590 Experten teilnehmen. Sigulla gilt als Vertreter eines fairen Interessenausgleichs zwischen Industrie und Assekuranz. Versicherung sieht er nicht nur als Risikoschutz, sondern als Teil des Kapitalmanagements eines Konzerns.

Sigulla habe sich in den vergangenen Wochen bei den Verhandlungen mit Versicherern über die Vertragserneuerung für 2011 „auffallend zurückgehalten“, hieß es in Marktkreisen. Die Gespräche hätten fast ausschließlich seine Mitarbeiter geführt.

Der Industrieversicherungsmarkt gilt trotz sinkender Preise langfristig als lukrativ und ist heftig umkämpft. Offenbar erhofft sich Talanx von Sigullas Ernennung eine noch bessere Durchdringung vor allem des Geschäfts mit sehr großen Kunden. Die Allianz ging Ende 2008 einen ähnlichen Weg, als sie Thierry van Santen zum Chef der Industrieversicherung in Frankreich machte. Er war Risk-Manager beim Lebensmittelkonzern Danone und prominentes Führungsmitglied der französischen und europäischen Risk-Manager-Vereinigungen.

Sigulla ist 53 Jahre alt und war 14 Jahre bei Siemens. Davor war er stellvertretender Leiter der Rechtsabteilung bei Lurgi, einer Tochter der Metallgesellschaft, deren Versicherungsabteilung er danach führte. Siemens hat selbst Versicherungstöchter und einen eigenen Makler, an deren Spitze Sigulla steht.

Noch bekannter in der Branche wurde Sigulla durch den Vergleich zwischen Siemens und den Managerhaftpflichtversicherern 2009. Siemens hatte hohe Ansprüche gegen eine Reihe von Ex-Managern gestellt, die nach Ansicht des Konzerns in der Korruptionsaffäre Fehler gemacht hatten. Das Unternehmen hatte für sein leitendes Personal eine Managerhaftpflichtpolice über 250 Mio. Euro abgeschlossen. Die Versicherer wollten zunächst nichts zahlen, schließlich einigten sich beide Seiten auf 100 Mio. Euro.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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